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22.04.2026 | Pressemeldung

Elementarschadenpflichtversicherung – Wie kann unsere Gesellschaft das wachsende Risiko von Naturgefahren bewältigen?

Am 30. April 2026 diskutierten Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Versicherungswirtschaft auf einer Plenary Session der Deutschen Aktuarvereinigung e.V. (DAV) über die Zukunft des Versicherungsschutzes für Elementarschäden angesichts zunehmender Naturgefahren. Im Fokus stand, ob und in welcher Form eine Pflichtversicherung in Deutschland ein tragfähiges Modell bieten kann. 

Dr. Matthias Land
Dr. Matthias Land, Vorsitzender des Ausschusses Schadenversicherung und Vorstand der DAV

„Eine nachhaltige Absicherung gegen Elementarschäden erfordert wirksame Prävention, Eigenvorsorge und eine klar definierte staatliche Unterstützung als ergänzenden Bestandteil im bestehenden Versicherungssystem“, betont Dr. Matthias Land, Vorsitzender des Ausschusses Schadenversicherung und Vorstand der DAV. Die Herausforderungen durch Elementarschäden nehmen spürbar zu. Durch die Erderwärmung ist mit häufigeren und schwereren Schäden infolge von Naturkatastrophen zu rechnen.

In Deutschland werden immer mehr Wohngebäude gegen Elementarschäden versichert – 2024 waren es laut GDV 57 Prozent, mit steigender Tendenz. Angesichts wachsender Naturgefahren stellt die Politik die Frage, ob das ausreicht. Daher wird zwischen Bund und Ländern intensiv über eine Pflichtversicherung diskutiert; deren Ausgestaltung ist trotz entsprechender Vereinbarungen im Koalitionsvertrag noch offen.

„Der Kumulcharakter des Schadenrisikos zählt zu den zentralen Herausforderungen in der Absicherung von Elementarschäden“, erklärt Dr. Land. Ein einzelnes Naturereignis kann viele Versicherte gleichzeitig treffen, Großschäden verursachen und Versicherer erheblich belasten.  
 

Regionale Unterschiede sinnvoll abbilden

In einer künftigen Versicherungslösung bleiben risikodifferenzierte Beiträge laut Dr. Land zentral: „Auch im Rahmen einer möglichen Pflichtversicherung für Elementarschäden sind regional differenzierte, risikogerechte Prämien entscheidend, da sie die tatsächlichen Gefährdungslagen der Gebäude widerspiegeln, Anreize für Prävention und Eigenverantwortung setzen und langfristig die Finanzierbarkeit des Systems sichern.“ 

Prävention voranbringen

Die Expertinnen und Experten in der Plenary Session waren sich einig: Prävention spielt eine zentrale Rolle, um zunehmende Risiken des Klimawandels wirksam zu bewältigen. Die DAV fordert daher Maßnahmen wie den Ausbau von Deichen und Abwassersystemen und die Entwicklung von zentralen Warn- und Informationssystemen für Naturgefahren. Ergänzend sollten klare bauliche Vorgaben verhindern, dass Risikogebiete weiter besiedelt werden und individuelle Maßnahmen wie der Ausbau von Rückstauventilen einen besseren Schutz für bestehende Gebäude bieten. „Ohne stärkere Prävention und Anpassung drohen künftig häufiger hohe Verluste und eine steigende Belastung für betroffene Haushalte, Versicherungen und den Staat“, so Dr. Land. 

Gesamtkonzept mit ergänzender staatlicher Rückversicherung

Ein verlässlicher Rückversicherungsrahmen ist zentral für tragfähige Versicherungslösungen. Der Staat kann das bestehende private Rückversicherungssystem sinnvoll ergänzen. International existieren entsprechende Public-Private-Partnership-Modelle, die als Vorbild für eine Umsetzung in Deutschland dienen können. „Die staatliche Rückversicherung sollte erst greifen, wenn es um die Versicherbarkeit extrem exponierter Wohngebäude geht oder der Schaden im Extremfall einen definierten Schwellenwert überschreitet“, fordert Dr. Land. Ergänzend könnten höhere Selbstbehalte im Schadensfall die Eigenverantwortung stärken und Prämien stabilisieren. Außerdem können reduzierte Deckungssummen in besonders exponierten Lagen die Finanzierbarkeit sichern.

„Wenn wir die Versicherungsdurchdringung bei Elementarschäden erhöhen wollen, müssen wir auch über die Finanzierung sprechen. Denn die verpflichtende Absicherung bisher unversicherter Risiken würde zu höheren durchschnittlichen Beiträgen führen“, erläutert Dr. Land. Wichtig sei daher ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen persönlicher Verantwortung, solidarischer Lastenteilung und staatlicher Unterstützung bei Extremrisiken. Dr. Land konstatiert: „Wir brauchen ein nationales Gesamtkonzept, das Prävention, Eigenvorsorge, privaten Versicherungsschutz und staatliche Absicherung sinnvoll verbindet.“ Nur so ließen sich die Herausforderungen wachsender Naturgefahren bewältigen und ein verlässlicher Versicherungsschutz langfristig sichern.

Die DAV möchte die politische Debatte mit fachlicher Expertise unterstützen, um zur Entwicklung eines tragfähigen Konzepts für die Absicherung von Elementarschäden beizutragen.

 

Siehe auch

  • Elementarschäden und Pflichtversicherung – Prävention, Risikotragung und Verantwortung in der Aktuar Aktuell Sonderausgabe 3 vom 27. April 2026
  • Was sollten Aktuarinnen/Aktuare zur Elementarschadenversicherung wissen? Eine aktuarielle Standortbestimmung Teil 3 im DAV Journal vom 24. März 2026
  • Was sollten Aktuarinnen/Aktuare zur Elementarschadenversicherung wissen? Eine aktuarielle Standortbestimmung Teil 2 im DAV Journal vom 18. Dezember 2025
  • Was sollten Aktuarinnen/Aktuare zur Elementarschadenversicherung wissen? Eine aktuarielle Standortbestimmung in drei Teilen im DAV Journal vom 25. September 2025
     

Inhalt

  • Einleitung
  • Regionale Unterschiede sinnvoll abbilden
  • Prävention voranbringen
  • Gesamtkonzept mit ergänzender staatlicher Rückversicherung
  • Siehe auch

Downloads

Pressemitteilung DAV zu Elementarschadenpflichtversicherung ( PDF )
Annika Lobergh
annika.lobergh​@aktuar.de +49 (0) 221 912 554-231

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