Vorstandsausschuss zur Koordination der Facharbeit
Die Facharbeit der DAV bildet die Grundlage für die fachliche Unterstützung der Mitglieder bei der täglichen Ausübung der Berufstätigkeit und sichert über Fachgrundsätze die hohe Qualität der aktuariellen Arbeit. Zudem bildet sie das Fundament für die Positionierung der DAV als Expertenorganisation gegenüber Politik und Öffentlichkeit. Vor diesem Hintergrund strebt der Vorstandsausschuss zur Koordination der Facharbeit eine übergreifende Koordination der fachlichen Themen der Vereinigung an, um die Steuerung der zentralen fachlichen Aufgaben der DAV voranzutreiben und Zukunftsthemen für den Berufsstand frühzeitig zu identifizieren.
Der Vorstandsausschuss zur Koordination der Facharbeit berät somit den Vorstand der DAV in allen Fragen rund um die übergreifende Steuerung der fachlichen Themen der DAV mit Blick auf die ganzheitliche externe Positionierung der DAV als Expertenorganisation in der Öffentlichkeit. Konkret identifiziert, sondiert und priorisiert der Vorstandsausschuss übergreifende Themen der Facharbeit sowie neu entstehende Aufgabenbereiche und die Implikationen für den aktuariellen Berufsstand bzw. die Rolle der Aktuare und koordiniert deren Bearbeitung in verschiedenen Vorstandsarbeitsgruppen.
Diese Vorstandsarbeitsgruppen werden temporär für einen Zeitraum von maximal drei Jahre eingerichtet, innerhalb derer zu entscheiden ist, ob eine Erweiterung der bestehenden Ausschussstruktur oder eine Einbindung des Themas in einen bestehenden Ausschuss für die weitere Bearbeitung des Themas sinnvoll ist oder ob das Thema abschließend behandelt und durch eine Veröffentlichung abgeschlossen wurde.
Die Altersvorsorge über Lebensversicherung und bAV, aber auch die Krankenversicherung sind geprägt durch die Anforderung, langfristige Verpflichtungen zu erfüllen; hierbei spielt die Entwicklung der Lebenserwartung eine wichtige Rolle. Die Arbeitsgruppe Auswirkungen des medizinischen Fortschritts unter der Leitung von Tilmann Schmidt befasst sich daher im interdisziplinären Austausch intensiv mit den wesentlichen Forschungsentwicklungen im Bereich der (Bio-)Medizin, um auf der Grundlage der gewonnen Erkenntnisse mögliche Szenarien zu beschreiben und Entscheidungshilfen für aktuarielle Tätigkeiten abzuleiten.
Die Arbeitsgruppe publiziert erste Ergebnisse über den Podcast DENK LAUT und Artikel im DAV Journal. Weitere Veröffentlichungen sind in Vorbereitung.
Unter Aktuarinnen und Aktuaren in der Versicherungstechnik verstehen wir Aktuarinnen und Aktuare, die an der Schnittstelle zwischen Fachbereichen und IT tätig sind. Sie befassen sich mit der Konzeption und der softwareseitigen Umsetzung von Algorithmen in IT‑Systemen von Versicherungen oder Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung, die der Berechnung aktuarieller Werte von Versicherungsverträgen dienen. Die Ergebnisse wirken sich auf das Vertragsverhältnis mit den Endkundinnen und Endkunden oder auf die Rechnungslegung aus. Sehr viele Aktuarinnen und Aktuare arbeiten genau an dieser Schnittstelle.
Themenfeld 1: Versicherungstechnische Modellierung
Versicherer nutzen zunehmend komplexe IT-Systeme zur Verwaltung und Modellierung von Produkten, stoßen dabei jedoch oft an Grenzen, wenn moderne und vielschichtige Tarife technisch nicht vollständig oder effizient abgebildet werden können. Dies führt zu hohen Kosten, erschwert Innovationen und macht insbesondere die langfristige Pflege von Lebensversicherungsverträgen herausfordernd. Ein modellbasierter Ansatz mit wiederverwendbaren, klar strukturierten Komponenten kann hier Abhilfe schaffen, erfordert jedoch sorgfältige fachliche Prüfung sowie enge Zusammenarbeit zwischen Aktuarinnen und Aktuaren mit anderen Disziplinen.
Themenfeld 2: Test- und Qualitätssicherung
Die Arbeitsgruppe möchte Aktuarinnen und Aktuaren ein besseres Verständnis für aktuarielles Testen vermitteln und konkrete Ansätze zur Qualitätssicherung aufzeigen. Aufgrund komplexer Modelle, vieler Schnittstellen und regulatorischer Anforderungen ist das Testen in der Versicherungstechnik besonders anspruchsvoll und umfasst mehrere aufeinander abgestimmte Testphasen. Zentrale Themen sind dabei strukturierte Testkonzepte, ausreichende Testabdeckung, Automatisierung sowie ein effizienter Umgang mit Abweichungen und Toleranzen.
Themenfeld 3: Unterstützung bei konkreten Einzelthemen
Die Arbeitsgruppe unterstützt Aktuarinnen und Aktuare bei der Analyse und Umsetzung gesetzlicher Änderungen, Gerichtsurteile und Marktentwicklungen in der Versicherungstechnik. Sie stellt strukturierte Hilfestellungen bereit, die fachliche Einordnungen, regulatorische Anforderungen sowie Auswirkungen auf IT-Systeme, Produkte und Prozesse umfassen. Ziel ist es, frühzeitig Herausforderungen zu erkennen, die Umsetzung zu erleichtern und operationelle Risiken durch einen fundierten Überblick zu reduzieren.
Themenfeld 4: Kommunikation und Berufsbild
Aktuarinnen und Aktuare in der Versicherungstechnik arbeiten an der Schnittstelle zwischen Fachbereichen und IT, wobei fachliche Entscheidungen erheblichen Einfluss auf die Komplexität und Kosten der technischen Umsetzung haben. Häufig wird unterschätzt, wie stark selbst kleine fachliche Änderungen den Umsetzungsaufwand beeinflussen. Die Arbeitsgruppe möchte daher das gegenseitige Verständnis fördern und Aktuarinnen und Aktuare dabei zu unterstützen, sowohl die technische Komplexität zu vermitteln als auch adressatengerecht zu kommunizieren.
Die DAV verfolgt das Ziel, künftig einen jährlich erscheinenden Bericht zur aktuellen Lage der Alterssicherung in Deutschland zu veröffentlichen. Damit möchte sie der Politik eine unabhängige, faktenbasierte und versicherungsmathematisch fundierte Einordnung zentraler Entwicklungen und Herausforderungen zur Verfügung stellen.
Der Bericht soll relevante Daten aus unterschiedlichen Quellen bündeln, analysieren und verständlich aufbereiten. Zugleich ist eine gezielte, öffentlichkeitswirksame Kommunikation gegenüber Politik und Presse vorgesehen. Auf diese Weise soll die DAV als kompetente und verlässliche Ansprechpartnerin in Fragen der Alterssicherung wahrgenommen und in gesellschaftspolitischen Debatten als Expertin positioniert werden.
Vor diesem Hintergrund streben wir eine fachlich wie institutionell breit aufgestellte Besetzung der Arbeitsgruppe an, um unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen in die Erstellung des Berichts einzubringen.
