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Unisex-Tarife in der PKV – schwierige Erstkalkulation

Berlin, 25. April 2013

In der öffentlichen Diskussion nach dem Unisex-Urteil des Europäischen Gerichts­hofs 2012 galt es in der Öffent­lichkeit und in den Medien als ausgemacht, dass aufgrund dieses Urteils die neuen geschlechts­unabhängigen Bei­träge in der Privaten Kranken­versicherung irgendwo in der Mitte zwischen den bisherigen Männer- und Frauen­beiträgen liegen müssten und damit für Frauen fühl­bar günstiger sein würden. Nunmehr liegen die neuen Tarife vor. Die Über­raschung, wenn nicht gar Ver­ärgerung in der Öffent­lichkeit ist groß: die Unisex-Tarife liegen in der Nähe der früheren Frauen-Tarife. Die Männer zahlen also zum Teil erheblich mehr, die Frauen profitieren jedoch nicht wie erwartet.

Für diese Ent­wicklung gibt es im Wesentlichen drei Gründe: Zum einen müssen die Unisex-Tarife aufgrund der Unsicher­heit über das tatsächliche Wechsel­verhalten der Versicherten im Bestand der privaten Kranken­versicherer in die Unisex-Tarife besonders vorsichtig kalkuliert werden. Dies schreibt das Versicherungs­aufsichts­gesetz bindend vor. Zum anderen bedingt die anhaltende Niedrig­zins­phase eine deutliche Absenkung des Höchst­rechnungs­zinses von bisher 3,5 % auf höchstens 2,75 %. Darüber hinaus bieten die Unisex-Tarife eine Reihe wichtiger Leistungsverbesserungen – etwa im Bereich der ambulanten Psychotherapie und der Suchtentwöhnung.

Die Kalkulation eines Unisex-Tarifs ist schwierig

Nur in einem Tarif, in dem dauerhaft gleich viele Männer und Frauen versichert sind, würde der Unisex-Beitrag tatsächlich in der Mitte zwischen den bisherigen Männer- und Frauen­beiträgen liegen. Doch vor der Markt­einführung eines Tarifs ist nicht bekannt, wie sich der Versicherten­bestand in diesem neuen Tarif zusammen­setzen wird. Außerdem haben die Kunden in der Privaten Kranken­versicherung ein lebens­langes Recht zum Wechsel zwischen verschiedenen Tarifen ihres Versicherungs­unternehmens. Das gilt selbst­verständlich auch für den Wechsel von der Bisex- in die Unisex-Welt. Deshalb haben die Versicherungs­unternehmen bei der Kalkulation eines PKV-Tarifs nie Gewiss­heit, wie viele Männer und Frauen auf Dauer in diesem Tarif sein werden. Diese Tatsache hat massive Auswirkungen auf die Kalkulation der Tarife.

Das Urteil des Europäischen Gerichts­hofs hat die bisher für Versicherungen erlaubte Differenzierung nach geschlechts­bezogenen Kosten­merkmalen für das Neu­geschäft ab 21. Dezember 2012 verboten und damit neues Recht geschaffen. Die Gesetze der Mathematik und der Medizin gelten jedoch weiter: So bleibt es unverändert bei der Tatsache, dass Frauen über weite Teile ihres Lebens im Schnitt höhere Gesundheits­kosten verursachen als Männer und ihre Lebens­erwartung um einige Jahre höher ist. Das bedeutet: Je mehr Frauen in einem PKV-Tarif vertreten sind, desto höher sind auch die Aufwendungen in diesem Tarif, was sich entsprechend auf die Höhe der Beiträge auswirken muss.

Die Kalkulation eines Unisex-Tarifs entsprechend dem Bevölkerungs­anteil von etwa 50 K: 50 würde bei jüngeren Frauen zu deutlichen Beitrags­senkungen führen, bei jüngeren Männern entsprechend zu fühl­baren Erhöhungen. Würden auf diese Weise kalkulierte Tarife am Markt angeboten, so würden in großer Zahl Frauen aus den bisherigen geschlecht­sabhängig kalkulierten Tarifen in die für sie wesentlich günstigeren Unisex-Tarife wechseln. Dies jedoch hätte die Konsequenz, dass dort der Frauen­anteil steigen und entsprechend höhere Gesundheits­kosten anfallen würden. Da die Kranken­versicherer die Verantwortung dafür tragen, dass die Versicherungs­leistungen im Sinne des Versicherungs­aufsichts­gesetzes ausreichend kalkuliert sind, müssen die Aktuare diesen Wechsel junger Frauen von vorneherein bei der Tarif­kalkulation berücksichtigen.

Probleme durch den Jo-Jo-Effekt

Dabei droht jedoch eine Art Jo-Jo-Effekt: Sind die Unisex-Tarife zu hoch kalkuliert und der gerechnete Bestands­wechsel von Frauen bliebe aus, wären die Kosten in diesem Tarif­verbund niedriger als kalkuliert – die Beiträge müssten deutlich abgesenkt werden. Das würde dann wiederum den Wechsel von Frauen aus anderen Tarifen auslösen. Die Kosten würden steigen und der Beitrag müsste wieder deutlich erhöht werden. Der Verantwortliche Aktuar jedes Unternehmens hat eine besondere Sorgfalts­pflicht und ist deshalb verpflichtet, diese Zusammen­hänge bei der Erst­kalkulation der Unisex-Tarife zu berücksichtigen.

Die Deutsche Aktuar­vereinigung hat deshalb einen Fach­grundsatz zur Erst­kalkulation von Unisex-Beiträgen erarbeitet. Dabei werden in einem schrittweisen mathematischen Verfahren die zu erwartenden Tarifwechsel-Bewegungen der Versicherten zusammen mit den voraus­sichtlichen Neu­geschäfts­anteilen simuliert. Auf diese Weise wird der Jo-Jo-Effekt vorweg genommen. In der Regel schwanken die Ergebnisse dabei zwischen einem höheren und einem niedrigeren Beitrags­niveau. In der letzten Stufe zwischen den beiden Niveaus ist der Aktuar verpflichtet, das sicherere, also höhere Beitrags­niveau anzusetzen. Auch dieser Sicherheits­zuschlag führt dazu, dass die jetzt auf dem Markt befindlichen neuen Unisex-Beiträge in der Privaten Kranken­versicherung in der Nähe der früheren Frauen­beiträge liegen.

Sobald belastbare Erfahrungen über das tatsächliche Verhalten der Versicherten angesichts der neuen Unisex-Welt vorliegen, wird es zu entsprechenden Nach­justierungen und Beitrags­anpassungen kommen.

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erik.staschoefsky@aktuar.de
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