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Pressemeldungen

Viele Pensionskassen brauchen mehr Risikotragfähigkeit

Köln, 7. Mai 2020

Deutschlands Pensionsaktuar*innen sehen die Pensionskassen vor großen Herausforderungen. „Viele Pensionskassen brauchen mehr Risikotrag­fähigkeit, um die anhaltende Niedrigzinssituation und die beständige Verlän­gerung der Lebenserwartung bewältigen zu können“, betont Dr. Friedemann Lucius, Vorstandsvorsitzender des Instituts der Versicherungsmathematischen Sachverständigen für Altersversorgung e.V. (IVS), Zweigverein der Deutschen Aktuarvereinigung e.V. (DAV). 

Der Grund dafür liege im Geschäftsmodell der Pensionskassen: Dies sei immer darauf ausgerichtet gewesen, aus den Beiträgen des Kollektivs möglichst effizient hohe Leistungen mit der erforderlichen Sicherheit für das Kollektiv zu finanzieren. Gewinne seien eher zugunsten von Leistungserhöhungen verwendet worden als zum Aufbau freier Eigenmittel. Als Lösung skizziert Dr. Lucius zwei Optionen: „Entweder die Pensionskassen senken ihre Annahmen darüber, was sie künftig am Kapitalmarkt erwirtschaften können. Dann müssen sie zwangsläufig die Reserven für die vorhandenen Garantiezusagen in erheblichem Umfang anheben. Oder sie gehen in den Kapitalanlagen höhere Risiken ein, um dauerhaft Erträge erwirtschaften zu können, wie sie in der ursprünglichen Tarifkalkulation einmal unterstellt worden waren.“ Um die damit verbundenen Schwankungsrisiken aufzufangen, benötigen die Pensionskassen freie, unbelastete Eigenmittel. „Wenn diese nicht vorhanden sind, müssen sie von außen bereitgestellt werden. Beide Varianten kosten Geld“, so Dr. Lucius. 

Diese zusätzlichen Mittel müssten letztendlich von den Trägerunternehmen aufgebracht werden, da sie als Arbeitgeber für die Zusagen der Pensionskassen einstehen. „Aus aktuarieller Sicht kann ich den Trägerunternehmen nur dringend empfehlen, dem Beispiel vieler Firmen zu folgen, die sich bereits zu dieser Verantwortung bekannt und für ihre Pensionskassen zusätzliche Mittel bereitgestellt haben“, betont Dr. Lucius. Die Trägerunternehmen seien nicht gut beraten, es auf eine Sanierung durch Leistungskürzungen ankommen zu lassen. „Dieser letzte Ausweg geht in der Regel mit einem vollständigen Verbrauch der Eigenmittel und damit einem weitgehenden Verlust der Risikotragfähigkeit der Kasse einher. Im schlimmsten Fall folgen ein Neugeschäftsverbot und die Abwicklung der Einrichtung. Das ist am Ende die teuerste Lösung für die Arbeitgeber“, erklärt Dr. Lucius. „Und wo es beispielsweise aufgrund von Insolvenzen keinen einstandspflichtigen Arbeitgeber mehr gibt, muss künftig der Pensions-Sicherungs-Verein einspringen“, führt der IVS-Vorstandsvorsitzende aus.

Neue Ausgabe des „DAV-Kompass“ zur Zukunft der bAV 

Vor welchen Herausforderungen das bAV-System in Deutschland und Europa darüber hinaus steht, diskutieren namhafte Experten in der neuen Ausgabe des „DAV-Kompass“. Darin beschreibt Prof. Dr. Rolf von Lüde einleitend, wie das risikoaverse Sparverhalten in Deutschland von Generation zu Generation vererbt wird. Um diesen eingeschliffenen Verhaltensmustern entgegenzutreten, fordert der renommierte Soziologe und Wirtschaftswissenschaftler, unter anderem die Finanzbildung der jungen Generation deutlich zu verbessern. Der Herausgeber von LeiterbAV, Pascal Bazzazi, bricht in seinem Artikel eine Lanze für die Altersvorsorge auf Kosten des Konsums im Hier und Heute und beschreibt die Vorteile eines funktionierenden bAV-Systems.

Außerdem hinterfragt BaFin-Exekutivdirektor Dr. Frank Grund, welche Leistungen die Pensionskassen ihren Kunden in Anbetracht der Tiefzinssituation künftig noch garantieren können. Er sieht es kritisch, wenn Unternehmen im Neugeschäft ungeprüft den Höchstrechnungszins ausschöpfen oder regulierte Pensionskassen gar einen noch höheren Rechnungszins verwenden. Der CEO von PensionsEurope, Matti Leppälä, diskutiert in seinem Beitrag am Beispiel Großbritannien die Vor- und Nachteile von verpflichtenden bAV-Lösungen. 

Zudem setzen sich vier Arbeitgebervertreter mit der Frage auseinander, welchen Mehrwert das neue Sozialpartnermodell den Unternehmen bringt. Zum Abschluss des Magazins zeichnen langjährige Wegbegleiter die Entwicklung des IVS nach, das in diesem Jahr sein 40-jähriges Jubiläum feiert.

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Corona: Versicherungsrisiken nicht existenzbedrohend, aber Finanzmarktverwerfungen werden zur Belastung für Versicherer

Köln, 4. Mai 2020

„Die deutschen Versicherer werden die Folgen der Coronapandemie spüren. Aber als existenzbedrohend schätzen wir die Auswirkungen nicht ein.“ Das hat der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Aktuarvereinigung e.V. (DAV), Dr. Guido Bader, heute unterstrichen. Denn derartige Pandemien und deren Folgen seien in den Katastrophen-Szenarien des europaweit gültigen Aufsichtsregimes Solvency II bedacht und würden von den Aktuar*innen jedes Jahr im Rahmen des Risikomanagements berücksichtigt.

Sollte sich die Mortalitätsrate speziell bei den unter 60-Jährigen hierzulande nicht vervielfachen, wofür es derzeit keine Anhaltspunkte gibt, sind die versicherungs­tech­nischen Risiken für die Lebensversicherer nach DAV-Analysen überschaubar. „Wir können aber noch nicht abschätzen, ob mit der bevorstehenden Rezession auch ein Anstieg der Berufsunfähigkeitsfälle einhergehen wird“, gibt Dr. Bader zu bedenken. 

Auch in der Privaten Krankenversicherung sei es für eine abschließende Kosten­bewertung noch zu früh. Hier gibt es zwei gegenläufige Entwicklungen: Auf der einen Seite verursacht die Coronapandemie hohe stationäre Kosten und die Krankenversicherer haben durch das Covid-19-Krankenhausentlastungsgesetz spürbare Mehrausgaben. Auf der anderen Seite fallen derzeit aber zahlreiche ambulante wie stationäre Behandlungen und Operationen weg oder werden verschoben. Was das für die PKV-Beiträge bedeutet, fasst Dr. Bader wie folgt zusammen: „Die Beiträge für 2021 werden derzeit in den Aktuariaten auf Basis von ‚Vor-Corona-Daten‘ berechnet. Somit können etwaige Kostenauswirkungen der Coronapandemie nächstes Jahr noch gar nicht berücksichtigt werden. Für die Folgejahre können Auswirkungen auf die Beiträge aber nicht ausgeschlossen werden.“

Am schwersten betroffen von der Coronapandemie ist die Industrieversicherung. „Hier realisieren sich noch nie dagewesene Kumulrisiken, da wir in der Veranstaltungsausfall- und der Betriebsschließungsversicherung de facto eine Betroffenheit von 100 Prozent haben“, beschreibt Dr. Bader das Problem. Gleichzeitig beobachten die Aktuar*innen eine zweigeteilte Bewegung in der Haftpflicht- sowie der Hausrat- und Gebäudeversicherung. „Durch das Homeoffice beziehungsweise die Quarantäne gibt es aktuell eine nahezu lückenlose Überwachung des eigenen Zuhauses und dadurch weniger Wasserschäden, Brände und weniger Einbrüche im privaten Bereich“, führt Dr. Bader aus. Im Gegensatz dazu ist im gewerblichen Bereich durch die teilweise längeren Betriebsschließun­gen mit zusätzlichen Versicherungsfällen zu rechnen. In der Kfz-Versicherung deuten sich insgesamt weniger Schadenfälle an, da weniger gefahren wird und dadurch weniger Unfälle geschehen. „Das kann sich im kommenden Jahr in besseren Schadenfreiheitsklassen für die Versicherungsnehmer*innen nieder­schlagen“, so Dr. Bader weiter.

Grundsätzlich besorgt zeigt sich der DAV-Vorstandsvorsitzende über die schweren Verwerfungen an den Kapitalmärkten: „Das Zinsniveau war in den vergangenen Monaten bereits extrem niedrig und der Druck hat durch die coronabedingten Markteingriffe der EZB weiter zugenommen. Wir haben im Moment einen Anlagenotstand und dieser wird kurz bis mittelfristig anhalten beziehungsweise sich eher weiter verschärfen.“ Erschwerend komme hinzu, dass nicht nur die Aktien- und Anleihemärkte sich hochvolatil und unberechenbar entwickelten, sondern auch im Immobilien- und Hypothekenmarkt sowie bei den alternativen Investments stabile Renditen in Frage gestellt sein könnten. „Diese Risiken und mögliche Abschreibungen auf die Kapitalanlagen belasten die Bilanzen der Versicherer und wirken sich negativ vor allem auf die Solvency-II-Quoten der Lebensversicherer aus“, prognostiziert Dr. Bader. Bei den Schaden- und privaten Krankenversicherern rechnet die DAV maximal mit moderaten Verschlechterungen der Solvenzquoten.

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Garantiemodelle an Tiefzinsumfeld anpassen

Köln, 4. Mai 2020

„Garantien sind von den Deutschen in der Altersvorsorge weiterhin gewünscht und haben auch im anhaltenden Tiefzinsumfeld ihre Berechti­gung“, hat Dr. Herbert Schneidemann, stellvertretender Vorstandsvorsit­zender der Deutschen Aktuarvereinigung e.V. (DAV), heute betont. Aber sowohl die Garantiemodelle als auch das Garantieniveau müssten an die veränderten Kapitalmarktwirklichkeiten angepasst werden. Vor diesem Hintergrund sieht die DAV weiterhin den Bedarf, den Höchstrechnungszins für Neuverträge ab 1. Januar 2021 von derzeit 0,9 auf 0,5 Prozent zu senken.

Dr. Schneidemann appelliert diesbezüglich an das Bundesfinanzministerium, spätestens bis Ende Mai eine Entscheidung zu treffen, da eine geordnete Umsetzung zum Jahreswechsel sonst nicht mehr möglich sei. „Die Umstellung des Höchstrechnungszinses erfordert eine Neukalkulation der gesamten Produkt­palette. Für dieses Großprojekt müssen die Unternehmen je nach Größe und Produktbreite 1.000 bis 5.000 Personentage investieren“, begründet Dr. Schneidemann die geforderte Vorlaufzeit.

Zudem sieht er dringenden Handlungsbedarf, die Garantieanforderungen bei geförderten Produkten wie der Riesterrente zeitgleich mit einer Absenkung des Höchstrechnungszinses anzupassen. Denn eine 100-Prozent-Beitragsgarantie verenge in diesem Kapitalmarktumfeld den Spielraum für chancenorientierte Investments dramatisch und minimiere damit die Ertragschancen für die Versicherungsnehmer*innen. „Um mit den Kapitalanlagen auch künftig eine realistische Chance auf einen Inflationsausgleich zu haben, ist eine Reduktion der Garantien aktuariell erforderlich“, so Dr. Schneidemann weiter. Die Aktuar*innen können mit ihrem Fachwissen einen wichtigen Beitrag leisten, ein sinnvolles Garantieniveau festzulegen, das sowohl Gestaltungsspielräume in der Kapitalan­lage eröffnet als auch dem Sicherheitsbedürfnis der Deutschen Rechnung trägt. 

Zuletzt unterstreicht der stellvertretende DAV-Vorsitzende den Bedarf, nicht nur die bestehenden Riesterprodukte weiterzuentwickeln, sondern auch ein modernes, einfaches und damit kostengünstiges Standard-Riesterprodukt auf den Markt zu bringen, um die immer größer werdenden Versorgungslücken im Alter zu schließen. Da die meisten Bürger*innen ihre Lebenserwartung stark unterschätzten, betont Dr. Schneidemann abschließend: „Auch bei der nächsten Riestergeneration müssen lebenslange Renten elementarer Bestandteil der Produkte sein.“

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GAUSS-Preis und GAUSS-Nachwuchspreise für herausragende Arbeiten verliehen

Köln, 29. April 2020

Die Deutsche Gesellschaft für Versicherungs- und Finanzmathematik e.V. (DGVFM) und die Deutsche Aktuarvereinigung e.V. (DAV) haben den renommierten GAUSS-Preis und drei GAUSS-Nachwuchspreise für herausragende wissenschaftliche Arbeiten aus der Versicherungs- und Finanzmathematik verliehen. Das hochrangige Expertengremium aus Wissenschaft und Praxis prämiert mit den Preisen Facharbeiten, die eine Brücke zwischen wissenschaftlicher Qualität und hoher Praxisrelevanz schlagen. 

Neu seit diesem Jahr ist das Auswahlverfahren des GAUSS-Preises: Die Fachjury ermittelt den oder die Preisträger*in des Hauptpreises fortan aus allen veröffentlichten Fachartikeln im European Actuarial Journal (EAJ) eines Erscheinungsjahres. 

Mit dem diesjährigen GAUSS-Preis (dotiert mit 3.000 Euro) ausgezeichnet wird Christian Furrer von der Universität Kopenhagen für seine Arbeit „Experience rating in the classic Markov chain life insurance setting. An empirical Bayes and multivariate frailty approach“. „Christian Furrers Paper stellt einen neuen Ansatz zur Beurteilung des Kleinerwerdens von Kollektiven in der Lebensversicherung vor“, so die Jury bei der Bewertung der Arbeit. „Bemerkenswert und preiswürdig hierbei ist sein Ansatz, die Veränderung des Kollektivs in Sprüngen zu beschreiben, was – im Gegensatz zu einer gleichmäßigen Schrumpfung – die Realität genauer abbildet.“ 

GAUSS-Nachwuchspreise – ausgezeichnete Abschlussarbeiten

Dorothee Westphal von der Technischen Universität Kaiserslautern erhält für ihre Dissertation „Model Uncertainty and Expert Opinions in Continuous-Time Financial Markets“, die sich mit den Problemen der Modellunsicherheit auf Finanzmärkten beschäftigt, einen der drei GAUSS-Nachwuchspreise. „Die verwendete Theorie der robusten Portfoliooptimierung ist ein sehr aktuelles Thema – Ökonomen haben schon länger auf die Wichtigkeit dieses Aspekts hingewiesen“, führt Juryvorsitzender Prof. Dr. Alfred Müller aus. „Dorothee Westphal gelingt es in ihrer Arbeit, unter realitätsnahen Annahmen explizite Lösungen für dieses schwierige Problem zu finden.“

Auch Stefan Schelling von der Universität Ulm wird mit einem GAUSS-Nachwuchspreis für seine Dissertation „Behavioral Aspects of Product Design and Demand in Retirement Savings“ ausgezeichnet. In dieser wird unter anderem der Frage nachgegangen, warum Lebensversicherungs-/Ansparprodukte auf dem Lebensversicherungsmarkt erfolgreich sind, die eigentlich aus Sicht der Erwartungsnutzen-Theorie und der kumulativen Prospekt-Theorie suboptimal sind. „Die Arbeit behandelt sehr sorgfältig eine realitätsnahe Modellierung praktisch relevanter Fragestellungen und behandelt versicherungsmathematische Themen von großer praktischer Bedeutung“, betont die Jury des GAUSS-Nachwuchspreises. 

„Eine große Stärke der Arbeit ist der Praxisbezug – insbesondere zum Thema Solvency II“, lobt Prof. Dr. Müller die Doktorarbeit von Lukas Hahn von der Universität Ulm, für die der dritte GAUSS-Nachwuchspreis verliehen wird. Die Arbeit „Quantative Assessment of Multi-Year Non-Life Insurance Risk“ beschäftigt sich mit der Schätzung der Streuung für die Reserveschätzverfahren „Chain-Ladder“ und „additives Modell“. Dabei werden bekannte Verfahren mit neuen Aspekten kombiniert, um so zu einer verbesserten quantitativen Bewertung des mehrjährigen Risikos in der Schaden- und Unfallversicherung zu gelangen. 

Digitale Präsentation der prämierten Arbeiten

Aufgrund der Absage der DAV/DGVFM-Jahrestagung, auf der die Verleihung der Preise üblicherweise stattfindet, werden im Rahmen der e-Jahrestagung auf www.actuview.com digitale Präsentationen der ausgezeichneten Arbeiten angeboten. Ab dem 30. April 2020 stehen die Aufzeichnungen der Preisträger zur Verfügung. 

Ausschreibungsbeginn für den GAUSS-Nachwuchspreis 2020

Für das Jahr 2020 werden wieder bis zu drei GAUSS-Nachwuchspreise (dotiert mit jeweils 2.000 Euro) vergeben. Ab Sommer 2020 können Abschlussarbeiten (Master/ Promotion) zu wissenschaftlichen und praxisrelevanten Themen aus den Finanz- und Aktuarwissenschaften eingereicht werden.  

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Jahrestagung von DAV und DGVFM erstmals rein virtuell

Köln, 22. April 2020

Vom 28. bis 30. April 2020 veranstalten die Deutsche Aktuarvereinigung e.V. (DAV) und ihre wissenschaftliche Schwestervereinigung, die Deutsche Gesellschaft für Versicherungs- und Finanzmathematik e.V. (DGVFM), ihre erste e-Jahrestagung. Diese tritt aufgrund der Coronapandemie an die Stelle der traditionellen Jahrestagung, zu der sich regelmäßig über 1.000 Fach- und Führungskräfte der Versicherungs- und Finanzwirtschaft treffen.

„Zwar kann eine virtuelle Konferenz nicht den persönlichen Austausch zwischen den Mitgliedern ersetzen. Sie ist aber der beste Weg, um auch in Zeiten von Homeoffice, oftmals fehlender Kinderbetreuung und Social Distancing Weiterbildung für unsere mehr als 5.500 Mitglieder anzubieten“, betont der DAV-Vorstandsvorsitzende Dr. Guido Bader. Über die Videoplattform actuview.com haben die Mitglieder bei der e-Jahrestagung Zugriff auf rund 40 Fachvorträge aus allen Tätigkeitsbereichen der Aktuar*innen, die im Nachgang auch dauerhaft für alle registrierten User abrufbar sein werden. Dazu gehören auch aufgezeichnete Podiumsdiskussionen zu den Themen Digital Ethics, Zukunft der betrieblichen Altersversorgung und Sustainable Finance. Darüber hinaus gibt es eine Vortragsserie zu den Folgen der Coronapandemie auf das Versicherungswesen.

„Auf der ganzen Welt stehen alle Konferenzveranstalter vor dem großen Problem, dass ihre Kongresse nicht in der gewohnten Form stattfinden können. In dieser Krisensituation stellen wir gerne unser Anfang 2019 gestartetes internationales Plattformprojekt actuview.com der weltweiten aktuariellen Community als Ausweichort zur Verfügung“, so Dr. Bader weiter. Ein Angebot, das auch von Aktuarvereinigungen aus anderen Ländern genutzt wird. So wird die für Mitte Mai in Paris geplante Konferenz der Internationalen Aktuarvereinigung auf actuview.com verlegt. Weitere Übertragungen sind bereits in Planung. Das Programm und alle Informationen zur e-Jahrestagung finden Sie auf www.aktuarkongress.net.

Tag 1

Die erste Plenary Session widmet sich dem Thema „Sustainable Finance“.


Tag 2

Diese Plenary Session befasst sich mit dem Thema „Digital Ethics“..


Tag 3

Die abschließende Plenary-Session trägt den Titel „Zukunft der betrieblichen Altersversorgung“.


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Blasenbildung bei green investments verhindern

Köln, 20. April 2020

Die Deutsche Aktuarvereinigung e.V. (DAV) unterstützt ausdrücklich die Pläne der Bundesregierung, das deutsche Finanzwesen zum weltweiten Vorreiter beim Thema Nachhaltigkeit (ESG) auszubauen. „Wichtig ist dabei, diese zukunftsrelevante Thematik nicht nur auf Klimaschutzgesichtspunkte zu verengen, sondern auch soziale Aspekte sowie Fragen guter Governance in den Unternehmen in den Fokus zu rücken. Denn erst im Dreiklang dieser Faktoren kann nachhaltiges Handeln gelingen“, unterstreicht der DAV-Vorstandsvorsitzende Dr. Guido Bader anlässlich der heutigen Sitzung des Sustainable-Finance-Beirats der Bundesregierung, dessen Mitglied er auch ist.

Um das angestrebte Ziel zu erreichen, ist nach Analyse der DAV eine deutliche Verbesserung der bisherigen Datenbasis notwendig. Dies betreffe vor allem Informationen über die Folgen des Klimawandels auf die Realwirtschaft und damit auf die Kapitalanlagen der Versicherer. „Durch die zusätzlichen Informationen können wir unsere Risikomodelle verbessern. Dies hat auch der Sustainable-Finance-Beirat erkannt und regt neue, einheitliche Berichtspflichten der Unternehmen sowie tiefgründige wissenschaftliche Studien an“, so Dr. Bader.

Zugleich warnen die Aktuar*innen aber auch vor den Schattenseiten ungebremster Investitionen in green investments. Einer immer größer werdenden Nachfrage stehe ein bisher sehr beschränktes Angebot an nachhaltigen Anlageformen gegenüber, was deren Chancen-Risiko-Profil zusehends verschlechtere. „Die Aufsicht wie die politischen Entscheidungsträger dürfen nicht zulassen, dass es zur Blasenbildung bei den green investments kommt“, skizziert Dr. Bader das Problem. Nach DAV-Analysen würde die Gefahr der Blasenbildung sogar noch verstärkt, wenn bei nachhaltigen Kapitalanlagen grundsätzlich geringere Risiken als bei konventionellen Investments unterstellt würden und daher für sie weniger Risikokapital vorzuhalten wäre. „Diese vielfach geäußerte politische Forderung widerspricht dem Solvency-II-Prinzip ‚same risk, same capital‘, das sich in den vergangenen Jahren bewährt hat“, erläutert Dr. Bader. Er sieht die Gefahr, dass aus einer Blasenbildung bei den green investments neue systemische Risiken erwachsen könnten. „Welche Ansteckungsgefahr systematische Risiken für die gesamte Finanzwirtschaft haben, erleben wir seit fast zehn Jahren hautnah durch die andauernde Tiefzinssituation.“ Diese habe als weltweite Staatsschuldenkrise begonnen und sei durch die Markteingriffe der EZB zu einer Belastung für das gesamte Finanz- und Versicherungswesen herangewachsen. 

Neue Ausgabe vom „DAV-Kompass“ zum Thema Sustainable Finance erschienen

Vor welchen Herausforderungen das internationale Versicherungs- und Finanzwesen auf dem Weg zur Klimaneutralität steht, diskutieren namhafte Expert*innen in der neuen Ausgabe des „DAV-Kompass“. Darin fordert der renommierte Klimaforscher Prof. Dr. Johan Rockström vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung: „Europa muss eine Vorreiterrolle beim Klimaschutz einnehmen, um den kohleabhängigen Schwergewichten wie China und Russland zu beweisen, dass in der Dekarbonisierung die Wettbewerbsvorteile von morgen liegen.“ Auch Dr. Jörg Kukies, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, spricht sich für deutlich mehr Engagement der Staaten und Unternehmen aus, den negativen Auswirkungen des Klimawandels zu begegnen. Er kündigt in seinem Beitrag über die Sustainable-Finance-Strategie der Bundesregierung an: „Auf nationaler Ebene wird der Bund im zweiten Halbjahr zum ersten Mal ein grünes Bundeswertpapier emittieren. Geplant ist hier, regelmäßig weitere Emissionen durchzuführen und langfristig eine grüne Bund-Zinskurve zu etablieren.“

Mahnende Worte findet Frank Pierschel von der BaFin. Er appelliert an die Finanzinstitute, das Thema Nachhaltigkeit auf Vorstandsebene umfassend zu behandeln. In den gewählten Methoden werde die Aufsicht den Unternehmen größtmögliche Freiräume lassen: „Wir wollen einen prinzipienbasierten Ansatz. Es bringt nämlich nichts, wenn statische Vorgaben zu uniformierten Lösungen führen. Vielmehr soll sich die Individualität der beaufsichtigten Institute in den gewählten Ansätzen widerspiegeln“, führt der Chief Sustainable Finance Officer der BaFin aus. Genauso verlangt die EIOPA von den Einrichtungen der betrieblichen Altersver­sorgung (EbAV), sich intensiv mit Nachhaltigkeitskriterien auseinanderzusetzen und stellt ein positives Zwischenzeugnis aus. Die Mehrzahl der EbAV hätten im letzten Stresstest wider Erwarten angegeben, allen drei ESG-Faktoren bereits Rechnung zu tragen, beschreibt Sandra Hack von der EIOPA die Situation. 

Selbstverständlich beschäftigen sich auch die Aktuarvereinigungen weltweit mit den Folgen des Klimawandels und bewerten unter anderem dessen potenzielle Auswirkungen auf das Risikomanagement der Versicherungsbranche. In Nordamerika und Australien wurden in den vergangenen Jahren aktuarielle Klimaindices entwickelt, um zu messen, ob sich die Häufigkeit extremer Wetterbedingungen im Laufe der Zeit ändert. Ein ähnliches Projekt wird derzeit von der europäischen Aktuarvereinigung sondiert. Eine Übersicht über die verschiedenen Projekte finden Sie am Ende des Heftes. 

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Coronakrise: Aktuare begrüßen Erleichterungen der Aufsicht für Pensionsfonds

Köln, 6. April 2020

Das IVS – Institut der Versicherungsmathematischen Sachverständigen für Altersversorgung e.V., ein Zweigverein der Deutschen Aktuarvereinigung e.V. (DAV), begrüßt die Entscheidung der Bundesanstalt für Finanzdienst­leis­tungsaufsicht (BaFin), die Pensionsfonds und ihre Trägerunternehmen aktiv im Umgang mit den Auswirkungen der Coronakrise zu unterstützen. Dafür hat die BaFin die Verpflichtung der Trägerunternehmen bis 2021 ausgesetzt, ihren Pensionsfonds im Falle von Engpässen bei der Bedeckung nicht-versicherungsförmiger Verpflichtungen kurzfristig zusätzliches Kapital zur Verfügung stellen zu müssen.

Bei sogenannten nicht-versicherungsförmigen Pensionsfondszusagen müssen die Arbeitgeber bei Bedarf auch in der Rentenbezugszeit Nachschussbeiträge leisten. Nach der bisherigen Aufsichtspraxis sind die Trägerunternehmen bei einer Unterdeckung ihrer Pensionsfonds von bis zu zehn Prozent verpflichtet, noch im laufenden Kalenderjahr damit zu beginnen, diese über einen Zeitraum von maximal zehn Jahren auszugleichen. Bei einer noch größeren Unterdeckung müsste diese sogar unverzüglich von den Trägerunternehmen ausgeglichen werden. „In Anbetracht der coronabedingten wirtschaftlichen Probleme vieler Unternehmen und der gleichzeitigen Turbulenzen an den Kapitalmärkten wären viele Firmen derzeit nur schwer in der Lage, die nötigen Nachschüsse fristgerecht zu leisten“, konstatiert der IVS-Vorstandsvorsitzende Dr. Friedemann Lucius. Ohne eine Flexibilisierung der Aufsichtspraxis hätte nach Einschätzung des IVS eine krisenverschärfende Abwärtsspirale für die Wirtschaft gedroht. „Als Folge hätten kurzfristig existenzgefährdende Belastungen auf die betroffenen Unternehmen zukommen können, einhergehend mit einem entsprechenden Vertrauensverlust in die betriebliche Altersversorgung“, so Dr. Lucius weiter.

Das IVS unterstützt ausdrücklich, dass die BaFin in den kommenden Monaten eine vorübergehende Unterdeckung der Pensionsfonds akzeptiere und die eigentlich dreimonatige Frist zur Vorlage eines Plans zur Schließung der Finanzierungslücken bis zum 1. Oktober 2020 verlängere. „Zudem hat die BaFin gegenüber dem IVS deutlich gemacht, dass die Trägerunternehmen erst ab 2021 zum Kapitalnach­schuss verpflichtet sind, und dies auch bei Unterdeckungen von mehr als zehn Prozent. Damit gewinnen die Arbeitgeber Flexibilität und Zeit, was in dieser schweren gesamtwirtschaftlichen Krise extrem wichtig ist“, begrüßt Dr. Lucius das Entgegenkommen der BaFin und ergänzt: „Denn es ist durchaus möglich, dass die aktuellen Wertverluste im Zeitablauf zumindest teilweise wieder aufgeholt werden und sich die aktuellen Unterdeckungen vermindern oder idealerweise von selbst verschwinden

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Rentenpolitik darf die anerkannten Grundsätze der Versicherungsmathematik nicht aus den Augen verlieren

Köln, 31. März 2020

„Die Rentenkommission der Bundesregierung hat bedauerlicherweise die Chance verstreichen lassen, das deutsche Rentensystem dauerhaft zukunftsfest zu machen“, betont der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Aktuarvereinigung e.V. (DAV) Dr. Guido Bader nach eingehender Analyse der Kommissionsempfehlungen.

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der absehbaren wirtschaftlichen Verwerfungen durch das Coronavirus seien die neu definierten Korridore für den Beitragssatz und das Rentenniveau in der gesetzlichen Rentenversicherung aus finanz- und versicherungsmathematischer Sicht das Gegenteil von ausgewogener Finanzplanung. „Die gesetzliche Rente läuft sehenden Auges in eine Unterfinanzierung, die nur durch Steuermittel kompensiert werden kann. Diese werden in den kommenden Jahren jedoch absehbar benötigt, um die coronabedingte Neuverschuldung zurückzufahren“, unterstreicht Dr. Bader.

Kritisch sieht er insbesondere die Entscheidung, dass erst der neu einzusetzende Alterssicherungsbeirat Anfang 2026 eine Empfehlung abgeben soll, ob und wie eine Anhebung des Renteneintrittsalters erfolgen solle. „Wenn einerseits der Beitrags- sowie der Leistungskorridor eingehalten werden sollen und andererseits der Versicherungscharakter der gesetzlichen Rente bewahrt werden soll, dann steht nach den anerkannten Regeln der Versicherungsmathematik bereits jetzt fest, dass wir ohne eine Flexibilisierung des Rentenbeginns nicht auskommen“, so Dr. Bader weiter. Die Zahlen sprächen eine klare Sprache, die nicht ignoriert werden dürfe. „Denn Rentenpolitik ohne Mathematik ist genauso verfehlt wie Rentenpolitik ohne sozialen Ausgleich“, beschreibt Dr. Bader das Spannungsfeld.

Positiv bewerten Deutschlands Aktuar*innen das klare Bekenntnis der Rentenkommission, die kapitalgedeckte zweite und dritte Säule durch entsprechende Reformen zu stärken. „Die unverzichtbare zusätzliche Absicherung kann zusätzlichen Schwung erhalten, wenn auch in staatlich geförderten Produkten wie der Riesterrente sowie in der betrieblichen Altersversorgung neue Garantiekonzepte und Gestaltungsmöglichkeiten zugelassen werden, die ein angemessenes Verhältnis von Sicherheit, Renditechance und Risiko aufweisen“, erläutert Dr. Bader abschließend.

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Streaming-Plattform actuview feiert erfolgreiches erstes Jahr

Köln, 30. März 2020

Am 28. März 2019 hat die Deutsche Aktuarvereinigung e.V. (DAV) die erste weltweit agierende Streaming-Plattform speziell für Aktuar*innen gestartet. actuview ging als Nachfolger eines erfolgreichen „1st Virtual International Congress of Actuaries (VICA)“ online, um Expert*innen der Versicherungs- und Finanzbranche über die Landesgrenzen hinweg Fachinhalte zu präsentieren.

„Seitdem ist viel passiert: Hunderte Videos wurden veröffentlicht, ein halbes Dutzend internationale Konferenzen begleitet und viele Tausend Aktuar*innen aus aller Welt wurden in die Community aufgenommen“, freut sich DAV-Hauptgeschäftsführer Michael Steinmetz anlässlich des ersten Geburtstags der Plattform. Im Dezember 2019 schloss die Actuarial Association of Europe (AAE) eine zweijährige Partnerschaft mit actuview, die mehr als 30.000 Aktuar*innen in ganz Europa den Zugang ermöglicht.

Mittlerweile umfasst das actuview-Archiv mehr als 650 Videos zu Themen aus allen Sparten und Fachbereichen des Versicherungswesens. Zu den Highlights aus dem Jahr 2019 gehören die Aufzeichnungen des Section Colloquium der internationalen Aktuarvereinigung (IAA) in Kapstadt, des European Congress of Actuaries in Lissabon, der IME 2019 in München und der Asian Actuarial Conference in Singapur. Daneben haben actuviews zentraler Sponsor RGA sowie mehrere Partner exklusive Recording-Serien veröffentlicht, darunter die Ulm Actuarial Days der Universität Ulm und des ifa Ulm sowie die Event-Wochen der European Actuarial Academy (EAA). „Gerade in den jetzigen Zeiten zeigt sich die Stärke von virtuellen Weiterbildungsangeboten. Dank actuview können sich die Aktuar*innen auch im Homeoffice zeitunabhängig weiterbilden“, so Steinmetz weiter.

Seinen ersten Geburtstag feiert actuview am 30. März mit einem eigenen Vortragsprogramm, das sowohl die aktuarielle Arbeitswelt als auch die Karriere- und Entwicklungschancen von Aktuar*innen in den Blick nimmt. Die Inhalte werden auf www.actuview.com unter „Events“/„actuview Birthday Event“ freizugänglich zur Verfügung stehen.


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Zahlen von EIOPA-Stresstest müssen richtig interpretiert werden

Köln, 18. Dezember 2019

Deutschlands Pensionsaktuare warnen davor, aus den gestern Abend vorgestellten Ergebnissen des Stresstests der europäischen Versicherungs­aufsicht EIOPA voreilige Schlussfolgerungen über die Situation der deutschen Pensionskassen und Pensionsfonds zu ziehen. „Die Zahlen sind im Kontext der vorgegebenen Systematik der EIOPA zu bewerten und dürfen nicht unreflektiert verwendet werden“, betont Dr. Friedemann Lucius, Vorstands­vorsitzender des Instituts der Versicherungsmathematischen Sachverstän­digen für Altersversorgung e.V. (IVS). Gleichwohl sei die Situation zahlreicher Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung (EbAV) aufgrund der anhaltenden Nullzinsphase zunehmend angespannt.

Für den diesjährigen Stresstest hat die EIOPA die Auswirkungen einer extremen Kapitalmarktsituation auf die Pensionskassen und Pensionsfonds untersucht. Dieser Ansatz stelle zwar aus IVS-Sicht ein mögliches Instrument zur Risikobeur­teilung dar. „Die Aussagekraft der Ergebnisse über die langfristige Finanzkraft der hiesigen Pensionseinrichtungen und ihrer Trägerunternehmen ist aber begrenzt“, so Dr. Lucius weiter. 

Grundsätzlich begrüßen die IVS-Aktuare den Wunsch von der EIOPA, länderüber­greifend größere Transparenz über die Situation der EbAV zu schaffen. „Der jetzt gewählte EU-weit einheitliche und damit allgemein gehaltene Ansatz kann die lokalen Besonderheiten der betrieblichen Altersversorgung aber nicht in der erforderlichen Differenzierung abbilden“, betont Dr. Lucius. Dieser nationale Blick sei aber wichtig, da die EbAV hauptsächlich lokal agierten und entsprechend nach nationalen Aufsichtsvorgaben gesteuert würden. „Es gibt keine Handvoll grenzüberschreitender bAV-Einrichtungen. Von daher muss kritisch hinterfragt werden, inwieweit überhaupt ein gesamteuropäischer Rahmen geschaffen werden muss, der alle Einrichtungen über einen Kamm schert“, erläutert Dr. Lucius. 

Besorgt zeigt sich der IVS-Vorsitzende darüber, dass die Ergebnisse von EIOPA als Beweis für angebliche Finanzierungslücken der EbAV missverstanden werden könnten, wie es beim letzten Stresstest vor zwei Jahren zu beobachten war. Denn ob und inwieweit ein zusätzlicher Finanzbedarf aufgezeigt werde, hänge maßgeblich davon ab, nach welchen Ansätzen und Vorgaben das Vermögen und die Verpflichtungen der Einrichtung bewertet würden. „Um es klar zu sagen: Mit den aufsichtsrechtlichen Vorgaben einer BaFin, die den nationalen Gegebenheiten Rechnung trägt, sehen wir keine Multimilliarden-Lücke, die von den Trägerunter­nehmen der Pensionskassen und Pensionsfonds geschlossen werden muss“, sagt Dr. Lucius.

Unabhängig von den gestern vorgestellten EIOPA-Ergebnissen unterstreicht der IVS-Vorstandsvorsitzende: „Durch die Dauernullzinsphase wird der Druck auf die kapitalgedeckte Altersvorsorge in Europa immer größer. Nicht zuletzt durch die Entscheidungen der EZB sind die natürlichen Gesetze der Kapitalmärkte zunehmend außer Kraft gesetzt und die Kopfschmerzen der Kapitalanleger in den EbAV werden täglich größer.“ Er appelliert an die Währungshüter, bei ihren künftigen Zinsentscheidungen nicht nur das kurzfristige Wachstum, sondern wieder stärker die nachhaltige Vorsorge in den Blick zu nehmen.

Die vollständige Pressemitteilung finden SIe als PDF-Datei.

Deutsche Aktuarvereinigung empfiehlt Senkung des Höchstrechnungszinses in der Lebensversicherung auf 0,5 Prozent

Köln, 10. Dezember 2019

Die Deutsche Aktuarvereinigung e.V. (DAV) empfiehlt, den Höchstrechnungs­zins in der Lebensversicherung zum 1. Januar 2021 auf 0,5 Prozent zu senken. Seit 2017 liegt der Wert bei 0,9 Prozent. „Derzeit gibt es keine Anzeichen, dass sich das zum Teil negative Zinsniveau der vergangenen Monate in näherer Zukunft spürbar verbessern wird. Daher ist eine Absenkung des Höchstrechnungszinses für Neuverträge ab 2021 geboten“, begründet der DAV-Vorstandsvorsitzende Dr. Guido Bader die Empfehlung.

Im Laufe des Jahres 2019 bewegten sich die zehnjährigen Euro-Swap-Sätze erstmals im negativen Bereich. Vor zehn Jahren lag dieser Zinssatz bei etwa 3,5 Prozent, aktuell ist er von seinen historischen Tiefstständen auf etwa 0,1 Prozent gestiegen. „Die kapitalgedeckte Vorsorge ist zur Sicherung des Lebensstandards unersetzlich. Wir machen sie auch im aktuellen Zinsumfeld sicher“, so Dr. Bader. Die Auswirkungen der anhaltenden Nullzinsphase seien bereits in vielen Bereichen der Finanzwirtschaft zu beobachten. „Klassische Lebens- und Rentenversiche­rungen zeigen gerade heute eine im Marktvergleich respektable Gesamtverzin­sung“, stellt Dr. Bader fest. Zudem betont er, dass ein neu festzusetzender Höchstrechnungszins ausschließlich für Neuverträge ab 1. Januar 2021 gelte. „Bestehende Garantiezusagen bleiben davon unangetastet“, so Dr. Bader.

Ferner weist die DAV darauf hin, dass der Höchstrechnungszins eine Obergrenze für jährliche Garantiezusagen darstelle. Letztlich müsse jedes Versicherungsunter­nehmen im Rahmen der aufsichtsrechtlichen Vorgaben individuell entscheiden, ob es diesen Höchstsatz ausschöpfen möchte. Die endgültige Entscheidung über die Höhe des Höchstrechnungszinses obliegt dem Bundesfinanzministerium durch eine Änderung der Deckungsrückstellungsverordnung.

Hintergrund zur Herleitung des Höchstrechnungszinses:

Um den geänderten Marktgegebenheiten Rechnung zu tragen, hat die DAV ihre Methodik angepasst. Anders als in der Vergangenheit orientiert sich die Zinsempfehlung nicht mehr primär an den historischen Renditen europäischer AAA-gerateter Staatsanleihen. Vielmehr berücksichtigt der neue Höchstrechnungs­zins die künftig realistisch am Kapitalmarkt erzielbaren Renditen der Lebensver­siche­rungs­unternehmen für neu abgeschlossene Verträge. Um diese zu berechnen, wurde ein repräsentatives Neuanlageportfolio eines Lebensversicherers mit konservativer Kapitalanlagestrategie modelliert. Dieses besteht im Wesentlichen aus festverzinslichen Wertpapieren und einem geringen Anteil aus Substanzwerten wie Aktien und Immobilien. 

Unter Annahme verschiedener Zinsentwicklungen wurden die aus diesem Anlageportfolio abgeleiteten Durchschnittsrenditen in die Zukunft projiziert. Zur Glättung wurde das arithmetische Mittel dieser Renditen über jeweils fünf Jahre gebildet. „Zusätzlich wurde ein 40-prozentiger Abschlag als Sicherheitspuffer eingerechnet, so wie ihn der Gesetzgeber bis zur Einführung des europäischen Versicherungsaufsichtsregimes Solvency II gefordert hat“, erläutert Dr. Bader das Vorgehen. Auch wenn diese Vorgabe an den Höchstrechnungszins inzwischen entfallen sei, setzt die DAV diesen Sicherheitsabschlag weiterhin in ihren Analysen an. Um ein ausreichendes Sicherheitsniveau zu gewährleisten, wurde zudem beschlossen, dass auch in Tiefzinsphasen der Sicherheitsabschlag immer mindestens 0,4 Prozentpunkte betragen muss.

Weitere Informationen zum Höchstrechnungszins finden Sie hier.

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Erklärfilm zur Höchstrechnungszins-Empfehlung:

 

Aktuare sehen Licht und Schatten im Solvency-II-Review

Hannover, 18. November 2019

Die Deutsche Aktuarvereinigung e.V. (DAV) sieht nach ausführlicher Analyse des 900-seitigen Konsultationspapiers der Europäischen Versicherungs­aufsicht EIOPA weiteren Handlungsbedarf bei der geplanten Überarbeitung des seit 2016 gültigen Aufsichtsregimes Solvency II. 

So beschäftigt sich die DAV intensiv mit den vorgestellten Optionen zur Änderung der risikofreien Zinsstrukturkurve. Diese wird monatlich von der EIOPA veröffentlicht und ist unerlässlich für eine marktkonsistente Bewertung der Versicherungsverpflichtungen. Bislang wird unterstellt, dass die Zinsmärkte für Laufzeiten von bis zu 20 Jahren liquide sind. Die EIOPA diskutiert nun auch Optionen, die davon ausgehen, dass auch für längere Laufzeiten noch tiefe und liquide Märkte vorhanden wären. „Dies ist mit Blick auf die aktuelle Kapitalmarktwirklichkeit nicht angemessen. Denn es gibt schlichtweg nicht genug lang laufende Anleihen mit hoher Bonität im Markt, die von den Versicherungen gekauft werden könnten“, gibt der DAV-Vorstandsvorsitzende Dr. Guido Bader anlässlich der DAV-Herbsttagung in Hannover heute zu bedenken. Nach den Kapitalmarktverwerfungen dieses Jahres seien sogar die derzeit angesetzten Laufzeiten von bis zu 20 Jahren ein sehr optimistischer Wert. Von daher setzen sich die Aktuare dafür ein, den sogenannten Last-Liquid-Point bei 20 Jahren zu belassen und auch an der Extrapolationsmethode nichts zu ändern.

Ein neu aufgenommenes Thema in der aktuellen Konsultation ist die Ergänzung von Solvency II um Komponenten einer makroprudentiellen Aufsicht zur Identifikation und Begrenzung möglicher systemischer Risiken der Versicherungen auf die Gesamtökonomie. Hier wird insbesondere vorgeschlagen, Anforderungen an die laufende Berichterstattung der Unternehmen deutlich zu erhöhen, ohne dass der Nutzen dafür belegt ist. Die deutschen Aktuare sprechen sich dafür aus, diese zusätzlichen Anforderungen nur mit Augenmaß einzuführen und damit insbesondere mittlere und kleine Unternehmen nicht unnötig zu belasten.

Als sachgerecht bewertet die DAV hingegen die Empfehlung von der EIOPA, künftig auch sogenannte „negative Zinsschocks“ in der Standardformel zu berücksichtigen. Zwar simulieren die Aktuare seit Jahren stark fallende Zinsen, lassen bislang aber keine weitere Verschlechterung von bereits negativen Zinsen in die Berechnung mittels Standardformel einfließen. „Über viele Jahre war dies ein angemessenes Vorgehen, da ein negatives Zinsniveau in Europa unvorstellbar war. Aber die jüngste Vergangenheit hat uns eines Besseren belehrt und niemand kann ein weiteres Abrutschen der Zinsen ausschließen“, betont Dr. Bader. Aus diesem Grund hat die DAV in den vergangenen Jahren ein Verfahren entwickelt, das auch die Risiken negativer Zinsen angemessen berücksichtigt und damit den hohen Sicherheitsanforderungen von Solvency II entspricht. Bis auf unwesentliche technische Details möchte die EIOPA diese Vorschläge nun übernehmen. 

Zufrieden zeigen sich die Aktuare zudem damit, dass die EIOPA für März kommenden Jahres eine umfangreiche Auswirkungsstudie aller vorgeschlagenen Änderungen am Solvency-II-Regelwerk plant. Die DAV hatte solche Analysen in der Vergangenheit mehrfach gefordert. „Die politisch Verantwortlichen haben inzwischen verstanden, dass es bei den einzelnen Maßnahmen zu unvorhergesehenen Wechselwirkungen kommen kann, über deren Ausmaß sich alle Beteiligten im Klaren sein sollten, bevor die Gesetze geändert werden“, resümiert Dr. Bader. Er mahnt aber gleichsam an, dass die Auswirkungsstudie nicht allein auf dem alten Stichtag Ende 2018 aufsetzen dürfe, sondern die jüngsten Kapitalmarktentwicklungen bis Ende 2019 mit einbeziehen müsse.

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Lebensversicherungsreformgesetz II: Nicht alle Vorschläge sind aus aktuarieller Sicht sinnvoll

Köln, 22. Mai 2019

„Das angedachte Lebensversicherungsreformgesetz II strebt einen fairen Interessenausgleich zwischen Versicherern, Kunden, Vermittlern und Aktionären an. Noch gibt es aber in einigen Bereichen Nachbesserungs­bedarf“, unterstreicht der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Aktuar­vereinigung, Dr. Guido Bader, heute in Köln. Dabei sehen die Aktuare vor allem Handlungsbedarf bei den künftigen Regelungen zum Höchstrech­nungszins sowie dem vorgesehenen Provisionsdeckel.

Grundsätzlich begrüßt die DAV den Vorschlag im Gesetzesentwurf, auch künftig für Lebensversicherungen mit Garantien einen Höchstrechnungszins vorzugeben. „Damit bleibt das bewährte System der vorsichtigen Reservierung und damit ein wichtiger Baustein im Sinne einer langfristig gesicherten Altersvorsorge erhalten“, betont Dr. Bader. Aus Sicht der Aktuare ist es aber notwendig, einen prinzipienbasierten Rahmen für die Festlegung des Höchstrechnungszinses auch gesetzlich zu verankern. „Der Höchstrechnungszins sollte sich am historisch beobachteten Zinsniveau und der aktuellen Erwartung an zukünftig erzielbare Renditen genauso orientieren, wie am derzeit beobachtbaren Kapitalanlage­verhalten der Branche“, führt Dr. Bader aus. Zudem appelliert die DAV an die Politik, Änderungen des Höchstrechnungszinses mit einer Vorlaufzeit von elf Monaten jeweils zum 1. Januar eines Kalenderjahres festzulegen. Damit hätten die Aktuare im Interesse der Kunden ausreichend Zeit für die erforderliche Neukalkulation der Tarife und die notwendige Umsetzung in der Technik. Daneben verweist Dr. Bader auf das bisherige Verfahren zur Festlegung des Höchstrechnungszinses, bei dem die DAV stets die aktuarielle Expertise ihrer Mitglieder zum Nutzen von Verbrauchern und Unternehmen in die gesetzgeberischen Prozesse eingebracht hat. Über viele Jahre hat die DAV diese Prozesse mit einem eigenen Vorschlag zur Höhe des Höchstrechnungszinses fachlich begleitet. „Deshalb halten wir es für wichtig, dass die Aktuare auch bei der künftig vorgesehenen Anhörung Gehör finden und nicht nur wie angedacht Unternehmens- sowie Verbraucherverbände“, so Dr. Bader.

Provisionsdeckel benachteiligt laufende Provisionen

Daneben sehen die Aktuare auch Handlungsbedarf bei den Vorschlägen zum viel diskutierten Provisionsdeckel. Unabhängig von der nicht aktuariellen Frage, ob ein Provisionsdeckel gerechtfertigt ist oder nicht, scheinen die vorgelegten Entwürfe an mehreren Stellen noch nicht sauber durchdacht zu sein. Wird dem Versicherungsvermittler beispielsweise statt einer einmaligen Provision eine laufende Vergütung gezahlt, so trägt er das volle Risiko, wenn der Vertrag vorzeitig beendet wird. Verstirbt die versicherte Person oder wird der Vertrag vor Ablauf gekündigt, so endet auch die Provisionszahlung. „Beim derzeitigen Gesetzesentwurf würden laufende Vergütungen gegenüber einmaligen Provisionen unattraktiv, der Trend der letzten Jahre hin zu mehr laufender Provision würde sich wieder umkehren“, beschreibt Dr. Bader die komplexe Materie. Die Aktuare fordern daher, das Risiko vorzeitiger Abgänge bei der Bewertung laufender Vergütungen im Rahmen des Provisionsdeckels mit einzubeziehen und haben Vorschläge zur aktuariellen Umsetzung dieser Idee vorgelegt. Darüber hinaus spricht sich die DAV dafür aus, Produkte gegen Einmalbeitrag komplett vom Provisionsdeckel auszunehmen. Denn diese Produkte werden nicht gezillmert, sodass sie zurecht auch nicht im Fokus des Lebensversicherungsreformgesetzes 2014 standen.

Skeptisch äußert sich Dr. Bader zudem zum avisierten Zeitplan der Umsetzung des Lebensversicherungsreformgesetzes II. Nach derzeitigem Stand soll das neue Gesetz spätestens sieben Monate nach seiner Verkündung in Kraft treten. „Mit der Einführung eines Provisionsdeckels ist eine neue Tarifgeneration erforderlich, für die aufwendige aktuarielle  Kalkulationen notwendig sind. Diese müssen im Interesse der Kunden ausreichend sicher sein“, führt Dr. Bader aus. Deshalb plädiert die DAV für eine Umsetzung nicht vor dem 1. Januar 2021.

Korridormethode hat sich bewährt

Abschließend zieht der DAV-Vorstandsvorsitzende ein Zwischenfazit zur Ende 2018 eingeführten Korridormethode bei der Zinszusatzreserve (ZZR). Mit dieser wird der Aufbau der Zinszusatzreserve auf einen längeren Zeitraum gestreckt, wodurch die jährlichen ZZR-Zuführungen deutlich gleichmäßiger erfolgen können. „Bereits heute steht fest: Die Korridormethode hat sich bewährt, was sich auch in den verbesserten Solvency-II-Quoten der Versicherungsunternehmen widerspiegelt“, resümiert Dr. Bader. Zugleich widerspricht er der mehrfach geäußerten Befürchtung, die Korridormethode reduziere die Garantiever­sprechen der Unternehmen gegenüber den Versicherungsnehmern. „Das Gegenteil ist der Fall. Sie schränkt den Aufbau der Zinszusatzreserve auf das für die Sicherung der Garantien notwendige Maß ein und leistet damit einen Beitrag zur Generationengerechtigkeit. Durch die veränderte Berechnungs­methode müssen die Versicherungen nicht mehr im bisherigen Maße hoch verzinste Kapitalanlagen verkaufen. Dies stabilisiert langfristig die Ertragssituation für die Versicherten“, erläutert der DAV-Vorstandsvorsitzende. Mit Blick auf die anhaltende Tiefzinsphase unterstreicht er aber auch: „Die Korridormethode ist keine Lösung des generellen Problems der niedrigen Zinsen.“ Als ungelöstes Problem der Zinszusatzreserve sehen die Aktuare weiterhin die Frage, wie für die Eigentümer eines Versicherungsunternehmens Anreize geschaffen werden können, sich an der Finanzierung der Zinszusatzreserve zu beteiligen. Hierzu hat die DAV der Politik bereits entsprechende Vorschläge unterbreitet und wird sich aktiv in den weiteren Diskussionsprozess einbringen.

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Aktuare unterstreichen Reformbedarf in der privaten und gesetzlichen Krankenversicherung

Köln, 22. Mai 2019

​Arbeitnehmer wie Arbeitgeber müssen in den kommenden Jahrzehnten mit deutlich steigenden Sozialversicherungsbeiträgen rechnen. Davon ist neben der Rentenversicherung insbesondere die gesetzliche Kranken- (GKV) und soziale Pflegeversicherung (SPV) betroffen. Aber auch die private Kranken- und Pflegeversicherung steht in der Zukunft vor großen Herausfor­derun­gen. Darauf weist der Past President der Deutschen Aktuarvereinigung e.V. (DAV), Roland Weber, heute in Köln hin.

Nach Analysen der DAV wird neben dem demografischen Wandel vor allem der medizinisch technische Fortschritt zum Kostentreiber in den Sozialsystemen. „Darüber hinaus leidet die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung unter einer strukturellen Einnahmenschwäche“, so Weber. Laut dieser steigen die Ausgaben für die Sozialversicherung ähnlich wie das Bruttoinlandsprodukt, während sich die Einnahmen entgegen vieler Prognosen um 0,5 Prozentpunkte pro Jahr langsamer als das Bruttoinlandsprodukt erhöhen. „Die privaten Sozial­systeme geraten hingegen durch die anhaltende Tiefzinsphase zunehmend unter Druck“, beschreibt Weber die Situation. Entsprechend sei sowohl in den gesetzlichen als auch den privaten Sozialsysteme mit deutlichen Beitragssteigerungen zu rechnen.

So könnten nach DAV-Berechnungen die Beiträge der gesetzlichen Krankenver­sicherung von derzeit 15,6 Prozent bis zum Jahr 2060 auf knapp 25 Prozent steigen. In der sozialen Pflegeversicherung ist nach Analyse der Aktuare sogar mit noch größeren Beitragssprüngen zu rechnen. Ohne Berücksichtigung möglicher Leistungsausweitungen könnten sich die Beiträge von 2,5 Prozent bis zum Jahr 2060 auf bis zu 8,5 Prozent erhöhen.

Aber auch in der privaten Krankenversicherung drohen weitere Beitragssteige­rungen. Sollten die Zinsen in den kommenden Jahrzehnten auf ihrem aktuell niedrigen Niveau verharren, erhöht sich der PKV-Durchschnittsbeitrag nach den Berechnungen der DAV inflationsbereinigt bis zum Jahr 2060 um den Faktor 2,7. Kommt es hingegen zu einer Zinserholung ab 2030, ergibt sich ein Faktor von 2,4.

Darüber hinaus hat die DAV untersucht, wie sich die Beiträge künftig in der privaten Pflegepflichtversicherung entwickeln werden. Dabei zeigt sich, dass neben dem demografischen Wandel der medizinisch-technische Fortschritt zum Beitragstreiber wird. Dadurch steigen die Beiträge im Extremszenario zwar um den Faktor 4,5 – ein Vergleich von sozialer und privater Pflegeversicherung offenbart aber das derzeit niedrige Beitragsniveau der privaten Pflegepflicht­versicherung. Während Versicherte dafür monatlich durchschnittlich 30 Euro zahlen, liegt der vergleichbare Beitrag in der gesetzlichen Pflegeversicherung für Kinderlose bei 123,90 Euro im Monat. Denn für die privatversicherten Angestellten würden aufgrund der vergleichsweise hohen Einkommen in der gesetzlichen Pflegeversicherung die Höchstbeiträge gelten.

In Anbetracht dieser Szenarien appelliert die DAV an die Politik, jede Möglichkeit zu ergreifen, die Effizienz des Gesundheitssystems weiter zu steigern. So ließen sich nach Überzeugung der Aktuare durch den Ausbau der Telemedizin oder der Einführung einer digitalen Gesundheitskarte erheblich Kosten einsparen. „Zudem muss jede weitere Leistungsausweitung speziell in der sozialen wie privaten Pflegepflichtversicherung kritisch auf ihre langfristige Finanzierbarkeit überprüft werden. Ohne Ausgabendisziplin ist das deutsche Kranken- und Pflegeversicherungssystems nicht zukunftsfähig“, so Weber weiter.

Beitragsentwicklung in der PKV konstanter gestalten

Daneben verweist Weber auf ein zweites grundlegendes Problem der privaten Kranken- und Pflegeversicherung: Während die deutsche PKV international einen hervorragenden Ruf genieße, stehe sie hierzulande vielfach in der Kritik. Denn ihre Beiträge entwickeln sich häufig nicht kontinuierlich, sondern weisen teil­weise große Sprünge auf. „Für den Außenstehenden wirken diese Beitrags­sprünge willkürlich, doch in Wirklichkeit sind sie die Folge von nicht mehr zeitgemäßen, strikten gesetzlichen Vorgaben“, so Weber weiter. Er stellt ein Maßnahmenpaket der DAV vor, durch das die Beitragsverläufe privat Versicherter künftig gleichmäßiger gestaltet werden können.

Im Mittelpunkt des Reformvorschlags steht eine Neugestaltung der soge-nannten Auslösenden Faktoren. Derzeit erlaubt das Versicherungsaufsichtsgesetz eine Überprüfung und gegebenenfalls Anpassung der Versicherungsbeiträge nur in zwei Fällen: Der erste ist die Abweichung der erwarteten von den einkalku­lierten Versicherungsleistungen, zum Beispiel durch höhere Leistungsausgaben aufgrund des medizinischen Fortschritts, um mehr als zehn Prozent. Der zweite ist die Abweichung der realen von den kalkulierten Sterbewahrscheinlichkeiten um mehr als fünf Prozent.

Diese Regelung ist nach Analyse der DAV doppelt problematisch. Zum einen haben andere Rechnungsgrundlagen wie beispielsweise Zinsen und Storno einen großen Einfluss. Sie sind aber irrelevant für die Frage, ob die Beiträge überprüft und gegebenenfalls angepasst werden dürfen. Zum anderen kritisieren die Aktuare bereits seit geraumer Zeit die isolierte Betrachtung der beiden Auslösenden Faktoren. Auf diese Weise werden die jeweils einzelnen Schwellenwerte teilweise über Jahre nicht erreicht. Dies führt dazu, dass Beitragsanpassungen häufig erst relativ spät durchgeführt werden dürfen und dadurch entsprechend hoch sein können.

Um dies künftig zu verhindern, regen die Aktuare an, bei der Ermittlung der Auslösenden Faktoren auch den Faktor Zins zu berücksichtigen, sodass Änderungen des Zinsniveaus zeitnah in die Beiträge einfließen. „Diese Anpassung an die seit Jahren zu beobachtenden Kapitalmarktgegebenheiten wäre im Interesse der Versicherten ein entscheidender Schritt zur langfristigen Stabilisierung des PKV-Systems“, unterstreicht Weber.

Die weiteren drei Vorschläge der DAV zur Beitragsverstetigung sehen vor, bereits bei einem Tarifwechsel innerhalb des Unternehmens für das Alter vorzusorgen. Daneben sollte der gesetzliche Prämienzuschlag flexibilisiert und der Standardtarif weiterentwickeln werden.

Theoretisches Idealmodell für Portabilität der Alterungsrückstellung in der Praxis nicht umsetzbar

Abschließend nimmt die DAV Stellung zum vielfach diskutierten Thema der Mitnahme der Alterungsrückstellungen von einem PKV-Unternehmen zu einem anderen. „Anders als des Öfteren behauptet, betreiben die Aktuare und die Unternehmen hier keine Blockadehaltung, sondern die Mitnahme der Alterungsrückstellungen ist eine mathematisch-aktuariell komplexe Fragestellung“, beschreibt Weber die Situation und ergänzt: „Die DAV setzt sich seit jeher konstruktiv mit möglichen Konzepten auseinander. Bisher ist es aber nicht gelungen, ein umsetzbares Modell ohne negative Auswirkungen auf die Kollektive zu entwickeln. Entweder ist das Modell theoretisch sehr gut, aber leider in der Praxis nicht anwendbar. Oder es ist praktikabel, aber mit entsprechenden Nachteilen für die Kollektive“, führt Weber aus. Er kündigt an, dass die DAV an der Entwicklung möglicher Ansätze weiterhin arbeiten werde und den fachlichen wie politischen Diskussionsprozess aktiv begleiten werde.

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Künstliche Intelligenz braucht aktuarielle Prüfer

Düsseldorf, 26. April 2019

„Data-Science-Verfahren und Künstliche Intelligenz (KI) bieten große Potenziale für die Versicherungsbranche, zum Beispiel für die Prävention, das Gesundheitsmanagement, die Leistungsregulierung oder die Produkt­kalkulation und die Absicherung von Kurzzeitrisiken. Für das Kerngeschäft der Versicherer sind sie aber keine Revolution, sondern erweitern vor allem den Werkzeugkasten der Aktuare.“ Davon zeigt sich der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Aktuarvereinigung e.V., Dr. Guido Bader, überzeugt.

Denn auch weiterhin seien die traditionellen statistischen Methoden notwendig, um in den großen Versichertenkollektiven Kausalitäten aufzudecken und begründete Handlungsempfehlungen zu geben. Daneben betont Dr. Bader: „Big Data und KI können uns einen neuen, tieferen Einblick in die vorhandenen Daten geben und damit Mediziner, Juristen und Aktuare in den Versicherungen unterstützen, Tarifmodelle weiter zu verfeinern, Produkte zu flexibilisieren und diese noch besser auf die Kundenbedürfnisse auszurichten.“ Die Künstliche Intelligenz könne aber keine gut ausgebildeten Fachkräfte in der Produkten­twicklung, der Prämienkalkulation oder dem Risikomanagement ersetzen.

Mit Blick auf die gefühlt unbegrenzten Möglichkeiten der Digitalwelt warnt Dr. Bader vor einer zu großen Technikgläubigkeit: „Die neuen Algorithmen dürfen nicht zur unkontrollierbaren und unüberwachten Black Box werden. Die Verbraucher verlieren das Vertrauen in die Versicherungen, wenn ausschließlich Algorithmen ohne menschliche Moralvorstellungen Entscheidungen treffen.“ Damit teilt er die Auffassung der Versicherungsaufsicht BaFin, die kürzlich auch vor dem Hintergrund der Vorgaben der EU-Datenschutzgrundverordnung eine strikte Überwachung der Algorithmen durch Menschen verlangt hat. „Genauso wie es Wirtschaftsprüfer für die Kontrolle der Unternehmen gibt, brauchen wir im Digitalzeitalter KI-Prüfer, die die rechtlichen Vorgaben kennen und auf Grundlage verbindlicher Standards die Ergebnisse der Algorithmen überprüfen, analysieren und interpretieren“, so Dr. Bader. Hierfür seien die Aktuare mit ihrer jahrzehntelangen Expertise im Umgang mit sensiblen, personenbezogenen Daten sowie ihrem spezifischen versicherungsmathematischen Know-how hervorragend qualifiziert.

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Dr. Guido Bader zum Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Aktuarvereinigung e.V. gewählt

Düsseldorf, 25. April 2019

​Die Mitgliederversammlung der Deutschen Aktuarvereinigung e.V. (DAV) hat heute in Düsseldorf mit großer Mehrheit Dr. Guido Bader für die kommenden zwei Jahre an die Spitze der Vereinigung gewählt. In dieser Position folgt er turnusgemäß auf Roland Weber, der dem Vorstand als Past President weiterhin angehören wird. Das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden hat mit Dr. Herbert Schneidemann der Vorsitzende des Ausbildungs- und Prüfungsausschusses übernommen.

Dr. Bader unterstrich angesichts der anhaltenden Tiefzinsphase und des demo­grafischen Wandels die Notwendigkeit tiefgreifender Reformen im deutschen Altersvorsorgesystem, um dieses zukunftsfest zu machen: „Es ist Zeit für eine ehrliche, offene und ideologiefreie Debatte über die Zukunft des deutschen Rentensystems. Dabei müssen die bestehenden Mechanismen hinterfragt, die existierenden Versorgungsformen modernisiert und neue Wege für die Alters­vorsorge eingeschlagen werden.“ In diesem Zusammenhang rief er die Politik auf, im Interesse zukünftiger Generationen den Versicherungscharakter der gesetz­lichen Rentenversicherung zu erhalten und mit einem Abbau der überbordenden, teuren Bürokratie sowie mit einfachen Strukturen und Prozessen die weitere Verbreitung der betrieblichen und privaten Altersvorsorge nachhaltig zu unterstützen.

Weiter kündigte er an, dass die DAV ihre Aktivitäten im Bereich Data Science und künstliche Intelligenz weiter ausbauen wird, um die mittlerweile gut 5.350 Mitglieder und die über 1.600 angehenden Aktuare bestmöglich auf die bevor­stehenden Veränderungen des Berufsbildes durch die Digitalisierung vorzubereiten. Nach seiner Überzeugung werden künftig vermehrt aktuarielle Routinearbeiten von Maschinen übernommen. „Dadurch entstehen aber für die Aktuare Freiräume, sich intensiv mit dem sachgerechten Einsatz der neuen Algorithmen sowie der Interpretation und Anwendung der Ergebnisse ausein­anderzusetzen“, skizzierte Dr. Bader eine der zentralen neuen Aufgaben der Aktuare und ergänzte: „Damit übernehmen die Aktuare in der gerade erst beginnenden Big-Data-Ära mehr denn je die anspruchsvolle Rolle der Qualitätsmanager in den Versicherungen.“

Der Vorstand wird komplettiert durch weitere hochrangige Vertreter des Berufsstands und der Wissenschaft:

•    Dr. Jürgen Bierbaum (Vorstandsmitglied ALTE LEIPZIGER Lebensversicherung)
•    Dr. Karl-Josef Bierth (Vorstandsmitglied Signal Iduna)
•    Nils Dennstedt (Partner Deloitte)
•    Detlef Frank (Vorstandsmitglied HUK24)
•    Rainer Fürhaupter (assoziierter Partner ROKOCO)
•    Dr. Maximilian Happacher (Vorstandsmitglied ERGO International)
•    Prof. Dr. Maria Heep-Altiner (TH Köln)
•    Dr. Richard Herrmann
•    Prof. Dr. Ralf Korn (TU Kaiserslautern)
•    Dr. Friedemann Lucius (Vorstandsvorsitzender Heubeck AG)
•    Dr. Aristid Neuburger (stellv. Vorstandsvorsitzender msg life)
•    Dr. Alf Neumann (Vorstandsmitglied Allianz Lebensversicherung)
•    Dr. Wilhelm Schneemeier (Mitglied des Aufsichtsrats Bayerische Beamten Versicherung)
•    Dr. Frank Schiller (Leiter Aktuariat, Pricing und Risk für die Leben-
und Krankenrückversicherung Munich Re)

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Hier finden Sie ein druckfähiges Foto von Herrn Dr. Bader

druckfähiges Foto des neuen engeren Vorstands der DAV: v.l.n.r: Herr Weber, Herr Dr. Bader, Herr Dr. Schneidemann.

Prof. Dr. Klaus Heubeck wird Ehrenmitglied der Deutschen Aktuarvereinigung

Düsseldorf, 25. April 2019

​Prof. Dr. Klaus Heubeck wurde heute in Düsseldorf von der Mitglieder­versammlung der Deutschen Aktuarvereinigung e.V. (DAV) zum Ehrenmitglied der Vereinigung ernannt. Mit der Auszeichnung würdigt die DAV das jahrzehntelange Engagement von Prof. Heubeck für den Berufs­stand der Aktuare auf nationaler wie internationaler Ebene. 

„Bereits Mitte der 1990er-Jahre hat er als Vorsitzender der Europäischen Aktu-arvereinigung den Grundstein für die europaweite Anerkennung der nationalen Aktuarausbildungen gelegt. Damit wurde den Aktuaren die grenzüberschrei­tende berufliche Tätigkeit im europäischen Raum und darüber hinaus deutlich erleichtert“, unterstrich der neugewählte DAV-Vorstandsvorsitzende Dr. Guido Bader die Verdienste des Geehrten. Darüber hinaus setzte sich Prof. Heubeck intensiv für die Etablierung des berufsständischen Rahmens für die Verant­wortlichen Aktuare und die Standesregeln der DAV ein. „Hierdurch wurden die Grundlagen für die heute hohe Reputation des Berufsstands gelegt, die sich auf Werte wie Eigenverantwortlichkeit, Unabhängigkeit und persönliche Integrität ebenso stützt wie auf die Qualität der fachlichen Arbeit“, unterstrich Dr. Bader. Mit großem Engagement unterstützte Prof. Heubeck als Vorsitzender des Nationalen Organisationskomitees die Planung und Ausgestaltung des Weltkongresses der Aktuare im vergangenen Jahr in Berlin (ICA 2018), der nach 50 Jahren erstmals wieder in Deutschland stattfand und mit über 2.750 Teilnehmern der größte Kongress in der Geschichte der Weltkongresse war.

Daneben setzte sich Prof. Heubeck als langjähriger Vorsitzender des bereits 1980 gegründeten Instituts der Versicherungsmathematischen Sachverständigen für Altersversorgung e.V. (IVS) maßgeblich für die Weiterentwicklung und Verbreitung der betrieblichen Altersversorgung ein und arbeitete als Experte in zahlreichen deutschen Regierungskommissionen mit. „Prof. Heubecks Expertise war und ist weit über die deutschen Grenzen hinaus gefragt. In den vergangenen Jahrzehnten hat er zahlreiche Regierungen in Mittel- und Osteuropa beim Aufbau ihrer Sozialsysteme unterstützt“, resümierte Dr. Bader.

Für seine Verdienste um die Altersvorsorge, den Berufsstand der Aktuare und seinen Beitrag für die Verbreitung aktuarieller Grundsätze wurde Prof. Heubeck bereits 2008 mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet.

Hintergrund:

Prof. Dr. Klaus Heubeck, geboren am 19. Juli 1945, hat nach seinem Studium der Mathematik, der Volkswirtschaft und der Jurisprudenz in Göttingen, München und Basel 1974 promoviert. Anfang der 1970er-Jahre trat er in das Familienunternehmen Büro Dr. Heubeck ein, in dem er ab 1983 die Geschäftsführung übernahm. Von 2001 bis 2010 war Prof. Heubeck Vorstandsvorsitzender der Heubeck AG.

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Altersvorsorge braucht Transparenz und flexible Rentenprodukte

Düsseldorf, 25. April 2019

„Die gesetzliche Rentenversicherung ist an ihrer Belastungsgrenze angekommen“, betont der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Aktuarvereinigung e.V. (DAV), Roland Weber. Er appelliert an die Politik, die dauerhafte Stabilität der umlagefinanzierten Rente in den Mittelpunkt der Rentenpolitik zu stellen und den Versicherungscharakter der wichtigsten Säule des Alterssicherungssystems unbedingt zu erhalten.

„Hierzu gehört vor allem, die Finanzierung der gesetzlichen Rente zu stabilisieren und das darf nicht nur über noch höhere Steuerzuschüsse geschehen, die bereits heute rund ein Viertel der Einnahmen der Rentenversicherung ausmachen“, so der DAV-Vorstandsvorsitzende weiter, dessen Amtszeit heute endet. Vielmehr müssten alle Stellschrauben nachjustiert und analysiert werden, wozu neben dem Beitragssatz, dem Rentenniveau oder dem Renteneintrittsalter auch die Anzahl von erwerbsfähigen Zuwanderern und das Lohnwachstum gehörten. Daneben sieht Weber den Bedarf, die gesetzliche Rente wie die betriebliche und private Altersvorsorge noch stärker als bisher an langfristigen Prognosen auszurichten. „Die Politik muss im Interesse der Versicherten den Mut entwickeln, auch über das Jahr 2030 hinauszublicken“, so Weber. Diesbezüglich sieht die DAV auch die eingesetzte Rentenkommission in der Verantwortung, Vorschläge für die dauerhafte Finanzierbarkeit des deutschen Altersvorsorgesystems zu unterbreiten.

Daneben betont Weber aber auch die Notwendigkeit jedes Einzelnen, zusätzlich für den Lebensabend vorzusorgen, um in Anbetracht der größer werdenden Rentenlücke den Lebensstandard im Alter zu halten. „Viele unterschätzen nicht nur ihre eigene Lebenserwartung, sondern überschätzen auch, wie lange ihre Ersparnisse reichen“, erläutert Weber. So zeigen Berechnungen, dass selbst bei zwei Prozent Jahreszins ein Kapitalstock von 100.000 Euro bereits nach neun Jahren und einem Monat komplett verbraucht ist, wenn daraus eine monatliche Rente von 1.000 Euro entnommen wird.

„Die Zahlen belegen, die Menschen brauchen Transparenz, um qualifizierte Entscheidungen für die Altersvorsorge treffen zu können“, so Weber weiter. Von daher unterstützt die DAV auch den Vorstoß der Bundesregierung zur Einführung einer säulenübergreifenden Renteninformation. Die Aktuare Deutschlands werden ihr Fachwissen und ihre langjährige Expertise im Umgang mit großen, sensiblen Datenmengen in den Aufbau der Renteninformation einbringen, um praktikable Lösungsansätze zu entwickeln und dem Wunsch der Deutschen nach Planbarkeit Rechnung zu tragen.

Da das Bedürfnis nach Planungssicherheit aber bei jedem Bürger unterschiedlich ausgeprägt ist, bedürfe es in Zeiten der anhaltenden Tiefzinsphase und volatiler Aktienmärkte aber auch atmender Altersvorsorgekonzepte. „Absolute Zinsgarantien werden im Niedrigzinsumfeld immer schwieriger umsetzbar. Deshalb haben sich die Aktuare bereits vor Jahren für die Einführung flexibler Produkte eingesetzt“, erläutert Weber. Diese beinhalteten neben Garantiekomponenten auch chancenorientierte Bestandteile, die auf der einen Seite höhere Renditen ermöglichten, auf der anderen Seite aber auch risikobehafteter seien. „Letztlich muss jeder Bürger für sich selbst entscheiden, in welche Richtung das persönliche Anlagependel zwischen kompletter Sicherheit und hoher Renditechance ausschlägt“, skizziert Weber die Herausforderung.

Ein zuletzt vielfach diskutiertes Beispiel für moderne Vorsorgekonzepte ist die im Zuge des Betriebsrentenstärkungsgesetzes 2018 eingeführte reine Beitragszusage. „Bei dieser wird aus der Garantierente eine Zielrente. Dieser kleine, aber feine Unterschied eröffnet Gestaltungsspielräume“, erklärt Weber. Dadurch werde eine kollektiv gesteuerte und auf langfristige Sparprozesse angelegte Kapitalanlage ermöglicht, die von Puffer- und Anpassungsmechanismen flankiert werde. Diese ermöglichten, auch mittelfristige Verwerfungen an den Kapitalmärkten auszugleichen und erhöhten damit die Renditechancen. Die Aussicht auf ein höheres Rentenniveau hat nach Analyse der Aktuare allerdings auch ihren Preis: „Eine einmal gezahlte Rente kann im weiteren Zeitverlauf auch wieder sinken“, so Weber. Die Sozialpartner seien gefordert, für die Arbeitnehmer den bestmöglichen Mittelweg zwischen ausreichender Sicherheit und angemessenem Rentenniveau zu finden. Die Aktuare werden diesen Entwicklungsprozess wenn gewünscht aktiv begleiten.

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Prof. Dr. Henryk Zähle neuer DGVFM-Vorsitzender

Düsseldorf, 24. April 2019

Auf der Mitgliederversammlung am 24. April 2019 wurde Prof. Dr. Henryk Zähle mit großer Mehrheit als neuer Vorstandsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Versicherungs- und Finanzmathematik (DGVFM) gewählt. Der Professor für Stochastik und Statistik der Universität des Saarlandes löst damit Prof. Dr. Ralf Korn nach vier Jahren als Vorstandsvorsitzenden ab. Prof. Korn wird als stellvertretender Vorstandsvorsitzender weiterhin für die DGVFM tätig sein.

Prof. Dr. Ralf Korn, Prof. Dr. Henryk Zähle und Prof. Dr. Jan-Philipp Schmidt

„Vor dem Hintergrund der fortschreitenden Digitalisierung wird Versicherungs­unternehmen zunehmend die Chance geboten, sachdienliche Information aus großen Datensätzen zu extrahieren. Gleichzeitig bergen nicht nur der demogra­fische Wandel und die Niedrigzinsphase Risiken in sich, die nur schwer zu quantifizieren sind. Daher rücken statistische Verfahren sowie robuste finanz- und versicherungsmathematische Modelle und Methoden stärker denn je in den Fokus“, so Prof. Zähle. „Die DGVFM möchte deshalb auch zukünftig intensiv als unverzichtbares Bindeglied zwischen den praktischen Herausforderungen und den aktuellen Entwicklungen in der Wissenschaft fungieren“, betonte Prof. Zähle anlässlich seiner Wahl.

Prof. Dr. Angelika May sowie Prof. Dr. Hans-Joachim Zwiesler, die bisher den stellvertretenden Vorsitz übernommen hatten, werden nach langjährigem Engagement für die DGVFM aus dem Vorstand ausscheiden. Stellvertretender Vorsitzender wird neben Prof. Korn, Prof. Dr. Jan-Philipp Schmidt. Daneben wurden Prof. Dr. An Chen und Dr. Marcus Christiansen neu in den Vorstand berufen. Dem Vorstand gehören weiterhin an: Prof. Dr. Alfred Müller, Prof. Dr. Matthias Scherer, Prof. Dr. Stefan Weber und Prof. Dr. Dr. Hanspeter Schmidli.

Die vollständige Pressemitteilung finden Sie hier als PDF.

ein druckfähiges Foto finden Sie hier. v.l.n.r: Prof. Dr. Ralf Korn, Prof. Dr. Henryk Zähle und Prof. Dr. Jan-Philipp Schmidt.

GAUSS-Nachwuchspreise für herausragende Arbeiten verliehen

Düsseldorf, 24. April 2019

Seit nunmehr 20 Jahren verleihen die DGVFM und die DAV den renommierten GAUSS-Preis für herausragende wissenschaftliche Arbeiten im Bereich der Versicherungs- und Finanzmathematik. Die Jury zeichnet dabei Arbeiten aus, die sich Problemen und Aufgabenstellungen der Aktuarwissenschaft widmen und eine Brücke zwischen wissenschaftlicher Qualität und hoher Praxisrele­vanz schlagen. In diesem Jahr werden zwei GAUSS-Nachwuchspreise (dotiert mit jeweils 2.000 Euro) vergeben.

Jan-Hendrik Weinert von der Johann Wolfang Goethe-Universität Frankfurt mit seiner Arbeit zu „Essays on Tontine Annuities“ sowie Tobias Burkhart von der Universität Ulm mit dem Thema „Essays on the Quantitative Assessment of Participating Life Insurance Business under Solvency II" konnten in diesem Jahr die Jury mit ihren Dissertationen überzeugen.

Steigende Lebenserwartungen, das niedrige Zinsumfeld und die verschärften Solvabilitätsregulierungen sorgen dafür, dass die Nachfrage nach neuen Versicherungsprodukten steigt. Dabei gewinnen auch Tontinenversicherungen, eine spezielle Form der Rentenversicherung, immer mehr an Bedeutung. „Herr Weinert hat sich in seiner Dissertation mit diesem aktuellen und praxisrelevanten Thema beschäftigt und liefert wesentliche neue Ansätze und Erkenntnisse zu Tontinen, z. B. bei den angewandten Methoden“, führt Jury-vorsitzender Prof. Dr. Müller aus. „Besonders hervorzuheben ist die Fähigkeit des Autors, mathematische Modellierung, Datenbewertung und wirtschaftliche Argumentation in seiner Arbeit zu vereinen.“

Mit Modellierungsfragen des Lebensversicherungsgeschäfts in Deutschland unter Solvency II beschäftigt sich Tobias Burkhart in seiner Dissertation. „Die umfangreiche Analyse des gesetzlichen und ökonomischen Rahmens als auch die daraus abgeleitete Modellierung und Diskussion der Ergebnisse zeugt von einem umfangreichen Verständnis der Gegebenheiten im deutschen Markt“, so Prof. Dr. Müller. „Die Arbeit verbindet wissenschaftlich interessante Fragestellungen mit praktisch wichtigen Aspekten“, führt die Jury weiterhin aus. Die Nachwuchspreise wurden im Rahmen der DAV/DGVFM-Jahrestagung am 24. April 2019 verliehen.  

Ausschreibungsbeginn für GAUSS-Preis im Herbst 2019

Der GAUSS-Preis wird seit 1998 alljährlich von der DGVFM und der DAV ausgeschrieben. Er soll speziell jüngere Aktuare, Versicherungs- und Finanzmathematiker motivieren, sich mit ungelösten Fragen der Aktuarwissenschaft zu befassen. Die nächste Wettbewerbsrunde beginnt im September 2019.

Die vollständige Pressemitteilung finden Sie als PDF.

Hier finden Sie ein druckfähiges Foto der Preisträger. Von links nach rechts: Prof. Dr. Ralf Korn, die Preisträger Jan-Hendrik Weinert und Tobias Burkhart sowie der Juryvorsitzende Prof. Dr. Alfred Müller.

Deutsche Aktuarvereinigung trauert um ihren ehemaligen Vorsitzenden Norbert Heinen

Köln, 9. April 2019

​Deutschlands Aktuare trauern um Norbert Heinen, den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV). Er starb gestern im Alter von 64 Jahren an den Folgen eines schweren Verkehrsunfalls. „Norbert Heinen gehörte zu den Gründungsmitgliedern der DAV und war eine der herausragenden Persönlichkeiten unserer Vereinigung. Der Berufsstand der Aktuare verliert mit ihm nicht nur einen der größten Lebensversicherungs­experten, sondern einen international hoch geschätzten Ratgeber“, betont der Vorstandsvorsitzende der DAV, Roland Weber.

Der Mathematiker und Physiker Norbert Heinen startete seine Karriere 1980 beim Gerling-Konzern. 1996 wurde er zum Mitglied des Vorstands der Gerling Lebensversicherung berufen, dessen Vorsitz er 2002 übernahm. Bevor er 2010 Vorstandsvorsitzender der Württembergischen Lebensversicherung wurde, war er von 2007 bis 2009 Partner und Geschäftsführer von B&W Deloitte.

„Norbert Heinen prägte über viele Jahre als Vorsitzender des Ausschusses Lebensversicherung maßgeblich die Facharbeit der DAV. Wegweisende Initiativen, wie das Lebensversicherungsreformgesetz, die Zinszusatzreserve und die Reform des Höchstrechnungszinses, tragen maßgeblich seine aktuarielle Handschrift“, so Weber weiter. Norbert Heinen gehörte von 1995 bis 2016 dem Vorstand der DAV an. Als Präsident stand er der Vereinigung von 2005 bis 2007 vor und setzte sich mit großem persönlichen Engagement dafür ein, die DAV als anerkannten Gesprächspartner für Politik, Aufsicht und Öffentlichkeit zu etablieren.

Daneben engagierte sich Norbert Heinen auch umfangreich auf internationaler Ebene. So war er über viele Jahre deutscher Vertreter in der Vollversammlung der International Actuarial Association und von 2002 bis 2003 Vorsitzender der Europäischen Aktuarvereinigung. „Die aktuarielle Gemeinschaft wird das Andenken an Norbert Heinen für immer in Ehren halten, denn sie hat ihm, seiner großen Expertise und seinem Weitblick sehr viel zu verdanken“, unterstreicht Weber.

Die vollständige Pressemitteilung finden Sie hier als PDF.

Deutsche Aktuarvereinigung startet internationale Streaming-Plattform actuview

Köln, 26. März 2019

Die Deutsche Aktuarvereinigung e.V. (DAV) hat am 26. März 2019 mit actuview die weltweit erste Streaming-Plattform speziell für Aktuare gestartet. „Die positive Resonanz auf den ersten virtuellen Weltkongress der Aktuare (VICA 2018) im vergangenen Jahr hat uns den großen Bedarf für eine zentrale Videoplattform deutlich aufgezeigt“, erläutert der DAV-Vorstandsvorsitzende Roland Weber die Beweggründe für die Initiative.

Bereits zum Start haben die actuview-Nutzer Zugriff auf mehrere Hundert Stunden Fachvorträge von Experten aus allen Sparten des Versicherungswesens. In den kommenden Monaten wird das Angebot sukzessive um Live-Übertragungen nationaler wie internationaler Kongresse sowie Online Sessions von Aktuarvereinigungen, Institutionen, Universitäten und weiteren Partnern erweitert. Highlights sind dabei die Aufzeichnungen vom IAA Section Colloquiums vom 2.-5. April in Kapstadt sowie die Live-Übertragung des 3. European Actuarial Congress am 6./7. Juni aus Lissabon, bei dem unter anderem EIOPA-Chairman Gabriel Bernardino spricht.

„Dank actuview können sich die Aktuare zum einen noch flexibler weiterbilden – wo und wann sie wollen. Zum anderen eröffnet das Portal auch den Kolleginnen und Kollegen den Zugang zu den neuesten Erkenntnissen der Aktuargemeinschaft, die aus Zeit- oder Kostengründen an den weltweiten Tagungen nicht teilnehmen können“, unterstreicht Weber.

Der globale Plattform-Sponsor von actuview, die Reinsurance Group of America (RGA), teilt das Engagement der DAV, die aktuarielle Gemeinschaft und den Beruf über diese Plattform weltweit weiter zu stärken. „Wir freuen uns, RGA als exklusiven Sponsor der Plattform an Bord zu haben“, sagt Michael Steinmetz, Geschäftsführer von actuview.

Darüber hinaus konnten die Aktuarvereinigungen Österreichs, Japans und der Schweiz sowie die Sections ASTIN, HEALTH, IACA und LIFE der International Actuarial Association (IAA) als erste institutionelle Partner von actuview gewonnen werden. Dadurch haben bereits heute über 13.000 Aktuare kostenfreien Zugriff auf die vielfältigen Inhalte von actuview. Die IAA-Sections sind die weltweiten Foren für die Aktuare in ihren jeweiligen Sparten.

Das neue Video-Portal finden Sie unter www.actuview.com

Die vollständige Pressemitteilung finde Sie hier zum Download.

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Deutsche Aktuarvereinigung trauert um ihren ehemaligen Vorsitzenden Prof. Dr. Ulrich Orbanz

Köln, 21. November 2018

Deutschlands Aktuare nehmen Abschied von Prof. Dr. Ulrich Orbanz, dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV). Prof. Orbanz starb kürzlich im Alter von 73 Jahren. „Mit ihm hat die internationale Aktuargemeinschaft eine ihrer renommiertesten Stimmen verloren und die DAV eine ihrer prägendsten Persönlichkeiten“, betonte der Vorstandsvorsitzende der DAV, Roland Weber.

Der habilitierte Mathematiker Prof. Orbanz startete seine Karriere in der Versicherungswirtschaft nach verschiedenen Lehrtätigkeiten im In- und Ausland im Jahr 1986 bei der Gerling-Konzern Globale Rückversicherung, zehn Jahre später ging er zur Swiss Re Life & Health und war dort für das gesamte deutsche Lebensrückversicherungsgeschäft verantwortlich.

Schon 1997 begann sich Prof. Orbanz in der noch jungen DAV zu engagieren und prägte als Vorstandsmitglied in den Folgejahren maßgeblich die Facharbeit der Vereinigung in verschiedenen Bereichen. Unter seiner Leitung des Ausbildungs- und Prüfungssystem wurden die Ausbildungsinhalte der DAV aktualisiert und um Fächer des nicht-mathematischen Grundwissens ergänzt, sodass insbesondere die großen Ausbildungsreformen der Jahre 2006 und 2018 seine Handschrift tragen. Als Präsident stand er der Vereinigung von 2007 bis 2009 vor und baute in dieser Zeit das internationale Engagement der DAV deutlich aus.

„Mit Prof. Orbanz hat die internationale Aktuargemeinschaft nicht nur einen ihrer fachlich besten Experten verloren, sondern viele Aktuare auf der Welt auch einen vielgeschätzten Ratgeber, der stets den strategischen Blickwinkel mit der notwendigen Liebe für Details verbinden konnte“, so Weber weiter und unterstrich: „Die Gremien der DAV werden Prof. Orbanz stets in großer Dankbarkeit verbunden bleiben, und er wird immer einen Ehrenplatz im Kreis der deutschen Aktuare haben, die ihm so viel verdanken.“

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Kranken- und Pflegeversicherung: Medizinisch-technischer Fortschritt und Demografiefalle werden zum Beitragstreiber

Köln, 25. September 2018

Die niedrige Geburtenrate und die steigende Lebenserwartung führen zu einer Veränderung der Altersstruktur in der Gesellschaft und damit unumgänglich zu einer deutlich steigenden finanziellen Belastung der Sozialsysteme. Davon ist neben der Rentenversicherung insbesondere die gesetzliche Kranken- (GKV) und soziale Pflegeversicherung (SPV) betroffen. Aber auch die private Kranken- und Pflegeversicherung steht in den kommenden Jahrzehnten vor großen Herausforderungen.

Das belegen neue Berechnungen der Deutschen Aktuarvereinigung e.V. (DAV). Demnach könnten die Beiträge der gesetzlichen Krankenversicherung von derzeit 15,6 Prozent bis zum Jahr 2060 auf knapp 25 Prozent steigen. In der sozialen Pflegeversicherung ist nach Analyse der Aktuare sogar mit noch größeren Beitragssprüngen zu rechnen. Ohne Berücksichtigung möglicher Leistungsausweitungen könnten sich die Beiträge von 2,5 Prozent bis zum Jahr 2060 auf bis zu 8,5 Prozent erhöhen.


„Neben dem demografischen Wandel und den stetig steigenden Kosten durch den medizinisch-technischen Fortschritt ist hierfür vor allem die sogenannte strukturelle Einnahmenschwäche verantwortlich“, betont Dr. Karl-Josef Bierth, DAV-Vorstandsmitglied und Leiter des DAV-Ausschusses Krankenversicherung. Laut dieser steigen die Ausgaben für die Sozialversicherung ähnlich wie das Bruttoinlandsprodukt, während sich die Einnahmen entgegen vieler Prognosen um 0,5 Prozentpunkte pro Jahr langsamer als das Bruttoinlandsprodukt erhöhen. Vor diesem Hintergrund appelliert Dr. Bierth an die Bundesregierung, die seit Jahren zu beobachtende strukturelle Einnahmeschwäche in einem ersten Schritt im offiziellen Tragfähigkeitsbericht der öffentlichen Finanzen zu berücksichtigen. „Ohne diesen nachweisbaren Aspekt wird ein zu optimistisches Bild gezeichnet, was nicht im Interesse der Verbraucher ist“, so Dr. Bierth weiter. Im zweiten Schritt sollten dringend Maßnahmen zur Dämpfung der negativen Effekte der strukturellen Einnahmeschwäche entwickelt werden. So könnten durch flächendeckende Tarifverträge oder die Anhebung des Mindestlohns die Einnahmen der Sozialversicherung erhöht werden.


Darüber hinaus hat die DAV untersucht, wie sich die Beiträge künftig in der privaten Pflegepflichtversicherung entwickeln werden. Dabei zeigt sich, dass neben dem demografischen Wandel der medizinisch-technische Fortschritt zum Beitragstreiber wird. Dadurch steigen die Beiträge im Extremszenario zwar um den Faktor 4,5 – ein Vergleich von sozialer und privater Pflegeversicherung offenbart aber das derzeit niedrige Beitragsniveau der privaten Pflegepflichtversicherung. Während Versicherte dafür monatlich durchschnittlich 30 Euro zahlen, liegt der vergleichbare Beitrag in der gesetzlichen Pflegeversicherung für Kinderlose bei 123,90 Euro im Monat. Denn für die privatversicherten Angestellten würden aufgrund der vergleichsweise hohen Einkommen in der gesetzlichen Pflegeversicherung die Höchstbeiträge gelten.

Demografischer Druck auf PKV geringer

Eine andere Entwicklung zeichnet sich in der privaten Krankenversicherung (PKV) ab. Dort haben die demografischen Veränderungen einen vergleichsweise geringen Einfluss, da im Gegensatz zum umlagefinanzierten System der GKV für jeden Versicherten eine risikogerechte Prämie mit Aufbau einer Alterungsrück­stellung zur langfristigen Vorsorge erhoben wird. Deutlich stärkere Auswirkun­gen auf die Entwicklung des PKV-Beitragssatzes haben hingegen der medizinisch-­technische Fortschritt und die anhaltende Tiefzinsphase. Sollten die Zinsen in den kommenden Jahrzehnten auf ihrem aktuell niedrigen Niveau verharren, erhöht sich der PKV-Durchschnittsbeitrag nach den Berechnungen der DAV inflationsbereinigt bis zum Jahr 2060 um den Faktor 2,7. Kommt es hinge­gen zu einer Zinserholung ab 2030, reduziert sich der Faktor auf 2,4.


„In Anbetracht der in der öffentlichen Wahrnehmung vielfach unterschätzten Bedeutung des medizinisch-technischen Fortschritts als Kostentreiber sollte jede Möglichkeit ergriffen werden, die Effizienz des Gesundheitssystems zu steigern“, unterstreicht Dr. Bierth. So ließen sich nach Überzeugung der Aktuare durch den Ausbau der Telemedizin oder der Einführung einer digitalen Gesundheitskarte erheblich Kosten einsparen. Darüber hinaus sollten Ansätze zum gesunden und selbstständigen Altern unterstützt werden. „Ohne einen Paradigmenwechsel im Kosten- und Leistungsmanagement ist das deutsche Krankenversicherungs- und Pflegesystem nicht zukunftsfest. Deshalb muss auch jede Leistungserweiterung, insbesondere in der sozialen wie privaten Pflegepflichtversicherung, kritisch auf ihre künftige Bezahlbarkeit geprüft werden“, fasst Dr. Bierth die Probleme der kommenden Jahre abschließend zusammen.

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Download Grafik Entwicklung BIP, Leistungsausgaben, Einnahmen

Download Grafik Beitragsentwicklung soziale Pflegeversicherung

Download Grafik Beitragsentwicklung private Pflegeversicherung

Dr. Friedemann Lucius neuer Vorstandsvorsitzender des Instituts der Versicherungsmathematischen Sachverständigen für Altersversorgung

Köln, 2. Juli 2018

Das IVS – Institut der Versicherungsmathematischen Sachverständigen für Altersversorgung, ein Zweigverein der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV), hat seit gestern eine neue Führungsspitze: Dr. Friedemann Lucius, Vorstandsmitglied der Heubeck AG, übernimmt ab sofort den Vorstandsvorsitz der Expertenorganisation. Der bisherige stellvertretende Vorsitzende folgt auf Dr. Horst-Günther Zimmermann, der sich nach sechs Jahren an der Spitze des IVS aus dem Vorstand zurückzieht. Neuer stellvertretender Vorsitzender ist Stefan Oecking, Partner des Beratungsunternehmens Mercer.

„Ich danke Herrn Dr. Zimmermann im Namen aller IVS-Mitglieder sehr herzlich für sein herausragendes Engagement, mit dem er sich in den vergangenen Jahren um unseren Berufsstand und die Altersvorsorge in Deutschland verdient gemacht hat. In seiner Amtszeit hat er mit ruhiger Hand, Weitsicht und hanseatischer Sachlichkeit die wichtigen Themen für das IVS maßgeblich aktiv mitgestaltet, vor allem die Diskussionen um das Betriebsrentenstärkungsgesetz und die EbAV-II-Richtlinie sowie die Planungen und Vorbereitungen des Weltkongresses der Aktuare im Juni 2018 in Berlin“, würdigt Dr. Lucius die Verdienste seines Amtsvorgängers.

Dr. Friedemann Lucius (rechts) verabschiedet beim ICA 2018 in Berlin den langjährigen IVS-Vorsitzenden Dr. Horst-Günther Zimmermann.

Zugleich kündigt er an, dass sich die Versicherungsmathematischen Sachver­ständigen des IVS aktiv in die Umsetzung des Betriebsrentenstärkungsgesetzes einbringen werden, um die Verbreitung der betrieblichen Altersversorgung in Deutschland zu fördern. „Hier sind alle Beteiligten gefordert, attraktive Produkte mit einer verlässlichen, lebenslangen Rente zu entwickeln“, unterstreicht Dr. Lucius die Herausforderung für die kommenden Jahre. Er zeigt sich überzeugt, dass hierbei kollektive Sparprozesse gegenüber individuellen Sparkonzepten wie Bank- oder Fondssparplänen eindeutig im Vorteil seien. „Kurzfristige Verwerfungen an den Kapitalmärkten können durch den Ausgleich im Kollektiv und über die Zeit sehr gut abgefedert werden, sodass auch ohne versicherungsförmige Garantien dem Sicherheitsbedürfnis der deutschen Arbeitnehmer angemessen Rechnung getragen wird“, so Dr. Lucius weiter.

Des Weiteren werden das IVS und die DAV die Einführung einer säulenüber­greifenden Altersvorsorgeinformation aus aktuarieller Sicht begleiten. „Neben verlässlichen Produkten braucht ein Arbeitnehmer Transparenz über seine künftige Versorgung, um qualifizierte Entscheidungen zum Ausbau der eigenen Altersvorsorge zu treffen“, erläutert Dr. Lucius. In diesem Zusammenhang spricht er sich zudem für eine grundlegende Debatte über das deutsche Alterssiche­rungssystem aus: „Es geht um Verteilungs- und Generationengerechtigkeit. Die notwendigen Reformen unseres Rentensystems dürfen nicht einseitig unsere Kinder und Kindeskinder belasten. Ansonsten erodiert das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der Altersvorsorgesysteme mit bedenklichen gesamtgesell­schaftlichen Folgen. Hier können Aktuare einen wesentlichen Beitrag leisten, um die Diskussion zu versachlichen und Transparenz herzustellen.“

Der promovierte Mathematiker Friedemann Lucius gehört seit 2013 dem Vorstand der Heubeck AG an. Zuvor war er in verschiedenen Positionen für PricewaterhouseCoopers und Aon Hewitt tätig. Stefan Oecking ist seit 2003 Partner von Mercer in Deutschland. Vor seinem Übergang zu Mercer war er bis 2003 Partner von PricewaterhouseCoopers.

Der Vorstand des IVS wird komplettiert durch weitere anerkannte Vertreter des Berufsstands:

Susanna Adelhardt (Evonik)
Dr. Nicola Döring (Generali Deutschland)
Korbinian Meindl (Neuburger und Partner)
Katrin Schulze (BVV Versicherungsverein des Bankgewerbes)
Dr. Georg Thurnes (Aon Hewitt)

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druckfähiges Pressefoto zum Download: Dr. Friedemann Lucius (rechts) verabschiedet beim ICA 2018 in Berlin den langjährigen IVS-Vorsitzenden Dr. Horst-Günther Zimmermann.

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Data Science ermöglicht passgenauere Versicherungsprodukte

Berlin, 7. Juni 2018

„Dank der Digitalisierung können Menschen und Sachen noch gerechter versichert werden, ohne dass der Kollektivgedanke aufgegeben wird“, betonte Rainer Fürhaupter, Vorstandsmitglied der Deutschen Aktuarvereinigung e. V. (DAV), heute beim Weltkongress der Aktuare (ICA 2018) in Berlin. Damit widersprach er der zuletzt vielfach geäußerten Befürchtung, dass beispielsweise durch Telematik-Tarife in der KFZ-Versicherung das Solidarprinzip der privaten Versicherungen untergraben werde.

„Die zusätzlichen Telematikdaten ergänzen und verfeinern die bereits heute über 40 Kriterien zur Risikobestimmung weiter“, so Fürhaupter weiter. Und durch die Echtzeiterhebung des Fahrverhaltens würden die Autofahrer zu einem schadenverhütenden Fahrstil motiviert – mit entsprechend positiven Auswirkungen auf die Unfallzahlen. „Dies ist der große Zugewinn der neuen pay-as-you-drive-Tarife und davon profitiert die gesamte Gesellschaft“, bekundet Fürhaupter. Vor diesem Hintergrund würden die ersten Telematik-Tarife derzeit vor allem jungen Fahrern angeboten, die erfahrungsgemäß in überproportional viele Unfälle verwickelt seien und damit als Hochrisikogruppe gälten.

Darüber hinaus profitierten die Versicherten beispielsweise auch im Bereich der Gebäudeversicherung von den Innovationen durch Data Science. Denn durch moderne Geoanalytics-Methoden lassen sich Risiken noch genauer bestimmen. Dadurch bestehe die Möglichkeit, Schadenschwerpunkte, Schadenmuster und Auffälligkeiten frühzeitig zu erkennen und Gegenmaßnahmen zu initiieren. Die feinere und möglichst „faire“ Zuordnung von zukünftig erwarteten Schäden auf die einzelnen Risiken eines Versicherungsbestands hat nach Überzeugung der Aktuare zwei Vorteile für die Kunden: „Einerseits wird für das jeweilige eigene Risiko eine hohe Sensitivität geschaffen. Dadurch wird die Schadenvermeidung und -minderung maximal gefördert“, so der DAV-Vorstand weiter. Andererseits werde die Motivation, sich zu versichern, erheblich gesteigert. „Denn (potenzielle) Versicherungsnehmer nehmen eine risikogerechte Prämie besser an als ein ungebührlich hohes Mitzahlen für andere über Einheitsprämien – das Versicherungsprinzip „viele für einen“ wird dadurch erheblich gestärkt!“, erläuterte Fürhaupter.

Abschließend wiesen die Aktuare darauf hin, dass durch den Einsatz von Data-Science-Methoden künftig deutlich mehr, auch unstrukturierte und zum Teil sensitive Daten verarbeitet werden müssen. „Hierfür müssen zusammen mit IT-Experten ganz neue Prozesse entwickelt werden, um eine ausreichende Datenqualität für eine sachgerechte Tarifkalkulation sicherzustellen“, führte Fürhaupter aus und sprach sich dafür aus, zusammen mit Verbraucherschützern, Politikern und Versicherern eine Art europaweiten Kodex zu erarbeiten, welche Daten wie für die Kalkulation von Versicherungstarifen verwendet werden. „Die DAV und die Aktuare mit ihrer ausgeprägten Erfahrung im Umgang mit sensiblen Daten sowie der Pseudonymisierung und Anonymisierung von Daten stehen diesbezüglich jederzeit für eine tiefgreifende gesellschaftliche Diskussion zur Verfügung“, unterstrich Fürhaupter abschließend.

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Krankenversicherungen werden zum Gesundheitspartner der Versicherten

Berlin, 7. Juni 2018

​„Anders als beispielsweise in den USA werden private Krankenversicherungs­verträge in Deutschland auf Lebenszeit abgeschlossen und unterliegen aus diesem Grund besonders strengen regulatorischen Vorschriften.“ Darauf wies der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Aktuarvereinigung e. V. (DAV), Roland Weber, heute auf dem Weltkongress der Aktuare in Berlin (ICA 2018) im Zusammenhang mit der Nutzung von Daten aus sogenannten Wearables hin.

So verlange der Gesetzgeber unter anderem für die Kalkulation der lebenslangen Tarife Längsschnittdaten, die den Risiko- und Leistungsverlauf über sehr lange Zeiträume wiedergäben. „Diese hohen Anforderungen erfüllen die von Fitnesstrackern oder Smartwachtes generierten Daten auf absehbare Zeit nicht. Daher eignen sich diese aus aktuarieller Sicht derzeit nicht für eine Preisdifferenzierung“, betonte Weber. Damit begegnete er der häufig geäußerten Befürchtung, dass im Zeitalter von Big Data nur noch die Kunden günstige Versicherungstarife erhielten, die sich besonders gesundheitsbewusst verhielten und ihre Daten den Versicherungen zur Verfügung stellten.

Positiv äußerte sich Weber hingegen zu den Potenzialen von Big Data bei der Verbesserung des Bestands- und Gesundheitsmanagements, der Prozessoptimierung im Leistungsmanagement und bei der Betrugserkennung. „Mithilfe von Data Analytics können auffällige untypische Muster erkannt und zur Detailprüfung an den Schadenbearbeiter weitergegeben werden. Davon profitiert am Ende das gesamte Versichertenkollektiv“, beschrieb Weber die Vorteile.

Darüber hinaus seien dank Data Science fortan genauere Vorhersagen zu künftigen Erkrankungen und damit exaktere Leistungsprognosen möglich.  „Durch die personenbezogene Analyse von Krankheitsverläufen können die einzelnen Versicherungsnehmer deutlich individueller betreut werden“, führte Weber aus. Hierzu zähle unter anderem, im Fall einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für den Eintritt einer ernsthaften Erkrankung entsprechende Unterstützungsangebote zu unterbreiten und im Krankheitsfall das Zusammenspiel von Fachärzten zu optimiert. Dadurch würde auch das Auftreten von Folgeerkrankungen vermieden oder zumindest reduziert werden. Außerdem könnten den Kunden fortan speziell auf ihren Gesundheitszustand abgestimmte Präventionsprogramme angeboten werden.

Die neuen Data-Analytics-Methoden erweiterten den aktuariellen Werkzeugkasten erheblich, sodass Krankenversicherungs-Aktuare künftig noch besser in der Lage seien, die versicherungstechnischen Risiken einzuschätzen. „Damit leisten die Aktuare einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Krankenversicherungen zum Gesundheitspartner der Versicherten“, unterstrich Weber abschließend.

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IVS-Award für neue Ideen in der Altersvorsorge verliehen

Berlin, 7. Juni 2018

John Anderson und Steven Empedocles sind die Preisträger des anlässlich des Weltkongresses der Aktuare (ICA 2018) erstmals vergebenen IVS-Awards. Damit würdigt das IVS-Institut der Versicherungsmathematischen Sachverständigen für Altersversorgung, ein Zweigverein der Deutschen Aktuarvereinigung, die beiden südafrikanischen Aktuare für ihre Arbeit „The retirement income frontier and its application in constructing investment strategies at retirement“.

Darin setzen sich die Autoren mit dem sogenannten „Annuity Puzzle“ auseinander, einem weltweit verbreiteten Verhaltenskonflikt vieler Rentner. Diese wünschen sich auf der einen Seite ausreichende finanzielle Mittel zur Sicherung ihres Lebensstandards im Alter und auf der anderen Seite haben sie den Wunsch, finanzielle Schocks unbeschadet zu überstehen und ihren Erben ein Vermächtnis zu hinterlassen.

„Die Preisträger haben ein Modell entwickelt, das bei der Wahl einer Vermögensanlage als Entscheidungshilfe dienen kann, den schwierigen Spagat zwischen diesen beiden Polen zu schaffen“, betont der IVS-Vorstandsvorsitzende Dr. Horst Günther-Zimmermann bei der heutigen Preisverleihung in Berlin im Rahmen des ICA 2018. Die hergeleiteten effizienten Portfolios setzen dabei neben Wertpapieren auch auf garantierte Leibrenten und Immobilien.

Die Entwicklung von Vorsorgelösungen, die sowohl den veränderten Kapitalmarkt­bedingungen als auch dem Sicherheitsbedürfnis der Versorgungsberechtigten Rechnung tragen, wird auch für die deutschen Pensions-Aktuare eine der zentralen Herausforderungen in den kommenden Jahren sein. „Dabei muss es uns gelingen, die neu eingeführte reine Beitragszusage mit Leben zu füllen. Das ist keine triviale, aber auch keine unlösbare Aufgabe“, so Dr. Zimmermann weiter. Denn Leibrenten haben einen langen Anlagehorizont, so dass Schwankungen am Kapitalmarkt über die Zeit und durch den Ausgleich im Kollektiv abgepuffert werden können. „Das unterscheidet kollektive Sparprozesse fundamental von Bank- oder Fondssparplänen mit ihren individuell geführten Konten“, erläutert Dr. Zimmermann zum Schluss.

Die gesamte Pressemitteilung zum Download

Pressefoto von der Preisverleihung (v.l.n.r.): John Anderson, Dr. Horst-Günther Zimmermann und Steven Empedocles

GAUSS-Preis für herausragende Arbeit zum Thema Kalkulation von Cyberversicherungen vergeben

Berlin, 6. Juni 2018

Der renommierte GAUSS-Preis (Dotierung 10.000 Euro) geht in diesem Jahr an ein dreiköpfiges Wissenschaftlerteam, das neuartige Ansätze für die Kalkulation von Cyberversicherungen entwickelt hat.

„Bisher gelten viele Cybergefahren als kaum versicherbar, da vor allem Konzepte für die sachgerechte Kalkulation von Großschäden fehlen. Diese Lücke schließt die preisgekrönte Arbeit von Prof. Dr. Stefan Weber und Kerstin Weske (Leibniz Universität Hannover) sowie Prof. Dr. Matthias Fahrenwaldt von der Heriot-Watt University in Edinburgh“, unterstreicht Prof. Dr. Ralf Korn, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Versicherungs- und Finanzmathematik (DGVFM), die den Preis zusammen mit der Deutschen Aktuarvereinigung e. V. (DAV) vergibt.

Die Arbeit „Pricing of Cyber Insurance Contracts” der drei Aktuarswissenschaftler leiste damit einen herausragenden Beitrag, sowohl Unternehmen als auch Einzelpersonen gegen die materiellen Folgen von Cyberangriffen abzusichern. Laut Europol verursachten diese 2016 weltweit Schäden in Höhe von 450 Milliarden Dollar – allein 65 Milliarden davon in Deutschland. „Gerade durch den Siegeszug des Internets der Dinge wird diese Zahl in den kommenden Jahr zweifellos weiter deutlich steigen“, skizziert Prof. Korn den Bedarf nach entsprechenden Versicherungsprodukten auf der Preisverleihung beim Weltkongress der Aktuare (ICA 2018) in Berlin.

Ebenfalls ausgezeichnet wird Dr. Felix Hentschel von der Universität Ulm. Er erhält den mit 2.000 Euro dotierten Gauss-Nachwuchspreis für seine Dissertation „Planning for individual retirement: optimal consumption, investment and retirement timing under different preferences and habit persistence“. Darin verbindet er mikroökonomische Modelle im Bereich der Altersvorsorge mit empirischen Beobachtungen und leistet damit einen relevanten Beitrag zur Diskussion der optimalen Altersvorsorge. Insbesondere in Zeiten von Niedrigzinsen, erhöhter Lebenserwartung und sinkender gesetzlicher Rentenansprüche stellt dies nach Meinung der Fachjury ein Thema von hoher Praxisrelevanz für die Versicherungswirtschaft dar.

Hintergrund:
Besonderes Augenmerk bei der Auswahl der Preisträger legte die Jury, die aus Vertretern von Wissenschaft  und Berufspraxis besteht, zum einen auf mathematisch anspruchsvolle Ausführungen und Modelle, zum anderen wurde ein klarer Anwendungsbezug in der Praxis gefordert. Der GAUSS-Preis wird seit 1998 alljährlich von der DGVFM und der DAV ausgeschrieben. Er soll Aktuare, Versicherungs- und Finanzmathematiker motivieren, sich mit ungelösten Fragen der Aktuarwissenschaft zu befassen.

Pressefoto zum Download (v.l.n.r.: Preisträger Dr. Matthias Fahrenwald und Kerstin Weske sowie Jurymitglied Prof. Dr. Alfred Müller)

Die vollständige Meldung finden Sie hier zum Download.

Interview mit Preisträger Stefan Weber

Aktuare: Altersvorsorge braucht Planungssicherheit und Transparenz

Berlin, 5. Juni 2018

„Nur kollektive Sparprozesse sichern eine langfristige sowie nachhaltige Altersvorsorge und sorgen damit für Planungssicherheit im Ruhestand.“ Das hat der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Aktuarvereinigung e. V. (DAV), Roland Weber, heute beim Weltkongress der Aktuare (ICA 2018) in Berlin unterstrichen.

Denn im Gegensatz zu individuellen Spar- und Entsparkonzepten garantierten kollektive Ansätze nicht nur lebenslange Leistungen und eine Absicherung von Versorgungsberechtigten, sondern berücksichtigten auch den Trend zur stetigen Erhöhung der Lebenserwartung. Darüber hinaus profitierten die Versicherungs­nehmer von Vererbungseffekten im Kollektiv und durch die gesamthafte Kapitalanlage würden zusätzliche Puffer gebildet, die für eine höhere Effizienz und Effektivität der Rentenprodukte sorgten. „Diese Vorzüge werden viel zu oft in den ausschließlich von Renditeerwartungen dominierten Diskussionen vernachlässigt“, kritisierte Weber und sprach sich für eine Rückbesinnung auf die Stärken der kollektiven Sparprozesse aus.

Daneben plädierten Deutschlands Aktuare auch für mehr Transparenz und damit Ehrlichkeit über die Leistungen in der Rentenphase. „Bisher wissen viele Bürger nur, was sie monatlich zur Seite legen, haben aber keinen gesamthaften Überblick über ihre künftigen Rentenzahlungen“, betonte Weber. Deshalb unterstützt die DAV die Initiative des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, eine säulenüber­greifende Renteninformation herauszugeben, wie es beispielsweise in Großbritan­nien, den Niederlanden oder Schweden üblich ist. So könnten die Bürger verlässlich über ihre Rentenansprüche sowohl aus der gesetzlichen als auch der betrieblichen und privaten Rentenversicherung informiert werden. „Mit diesem Fundament an Wissen können viel qualifiziertere Entscheidungen für die Altersvorsorge getroffen werden, um potenzielle Versorgungslücken zu schließen“, erläuterte Weber.

Die Deutsche Aktuarvereinigung werde die Expertise ihrer über 5.000 Mitglieder in die öffentlichen Debatten einbringen, um die kollektive kapitalgedeckte Altersvorsorge als ergänzende Säule neben der umlagefinanzierten gesetzlichen Rente zukunftsfest zu machen. „Denn nur mit einem ganzheitlichen Ansatz und damit einem Nebeneinander beider Altersvorsorgekonzepte können die Herausforderungen des demografischen Wandels sowie der anhaltenden Tiefzinsphase gemeistert werden“, so Weber weiter.

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