Deutsche Aktuarvereinigung befürchtet Mathematikermangel:
„Mathematik muss für Schüler und Studenten attraktiver werden!“
Aktuare starten Schulprogramm
Trotz derzeit glänzender Berufsperspektiven könnten Deutschland bald die Mathematiker ausgehen. Diese Sorge äußerte die Deutsche Aktuarvereinigung anlässlich ihrer Jahrestagung in Dresden. „Schon heute werden in der Wirtschaft qualifizierte Absolventen mathematischer Studiengänge händeringend gesucht“, so der Vorsitzende der DAV, Dr. Ulrich Orbanz. Derzeit sind in der berufsständischen Vereinigung der deutschen Aktuare knapp 3.000 Versicherungs- und Finanzmathematiker organisiert.
Die Nachfrage wird in den nächsten Jahren weiter steigen. Nach Erkenntnissen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) wird bis zum Jahr 2010 ein Mehrbedarf von 79.000 Mathematikern und Informatikern bestehen. Im Zeitraum 2010 bis 2020 werden noch einmal 95.000 weitere Absolventen benötigt. Derzeit gehen nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit knapp 24 Prozent in das Versicherungs- und Kreditgewerbe. Gerade dort wird jedoch u.a. aufgrund der zukünftigen Anforderungen an ein verbessertes Risikomanagement von Versicherungsunternehmen unter Solvency II, dem neuen europaweiten Aufsichtssystem für diese Branche, der Bedarf weiter deutlich steigen.
Die Aktuare sehen im aktuell vom BMBF ausgerufenen „Jahr der Mathematik“ die Chance, mit dem Aufbau eines nachhaltigen Schulprogramms frühzeitig auf Schüler und Lehrer zuzugehen, um auf das eigene Anwendungsgebiet der Mathematik hinzuweisen. Einzelne Bausteine des langfristig ausgelegten Konzepts sollen Schulbesuche, spezifische Lernmaterialien und weitere ähnliche Unterstützungsangebote für einen praxisorientierten Schulunterricht sein.
Bei den Schulbesuchen will die DAV den Vorteil ihrer breiten Mitgliederbasis nutzen, um in einer ersten Phase – nach entsprechender Absprache mit den interessierten Schulen – in Mathe-Leistungskursen versicherungsmathematische Fragestellungen näher zu bringen und damit Interesse an einer beruflichen Entscheidung für die Mathematik zu wecken. In erster Linie soll es darum gehen, über versicherungsmathematische Problemstellungen das Interesse an den mathematischen Werkzeugen zu fördern.
Unterstützt werden kann dies durch entsprechende Spiele sowie Informations- und Arbeitsblätter. Schrittweise Erweiterungen sind mit einer regelmäßigen Aussendung von Arbeitsblättern an interessierte Pädagogen sowie dem Aufbau einer entsprechenden Online-Plattform für Lehrer und Schüler vorstellbar. Auch die Konzeption von geeigneten Offline-Materialien, wie CD-Rom, USB-Stick etc., die unter anderem bei Abiturientenmessen mit eingesetzt werden könnten, ist im weiteren Verlauf der DAV-Schulinformationen ein konkretes Ziel.
„Das Jahr der Mathematik bietet die einmalige Chance junge Menschen für die Mathematik zu begeistern und dabei hervorragende Karriereperspektiven zu eröffnen. Die Mathematik ist ein echter Jobmotor“, so Dr. Orbanz. Beachtliche Erfolge in ihren Aktivitäten zur mathematischen Nachwuchsförderung kann die DAV bereits bei einem umfangreichen Praktikumsprogramm für Studierende der Fachrichtungen Versicherungs-, Finanz- und Wirtschaftsmathematik vorweisen. So haben im letzten Herbst knapp 35 Unternehmen insgesamt rund 60 Praktikumsplätze in Versicherungsgesellschaften und Beratungshäusern für das Programm zur Verfügung gestellt. Über die relevanten Lehrstühle und Fachschaften wurden die Angebote dann an den in Frage kommenden Hochschulen bekannt gemacht. Auch in diesem Jahr ist ab September eine erneute Ausschreibung des DAV-Praktikantenprogramms vorgesehen.
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