SOLVENCY II: DAV ERWARTET ENTSCHEIDENDE VERBESSERUNGEN

In den letzten Monaten wird vermehrt darüber diskutiert, ob das Geschäftsmodell der Deutschen Lebensversicherer unter den Bedingungen des neuen risikobasierten Aufsichtssystems Solvency II noch eine Zukunft hat. Im Kern dieser Diskussion stehen die langfristigen Garantien und die werthaltigen Optionen der Versicherungsnehmer wie z.B. die Stornomöglichkeit. In diesen Überlegungen geht jedoch häufig unter, dass neben Garantien und Optionen noch weitere – vielleicht sogar wichtigere – Kernelemente dieses Geschäftsmodell ausmachen: Zu nennen sind hier vor allem der Gleichbehandlungsgrundsatz sowie der vertikale und horizontale Risikoausgleich, also der Ausgleich im Kollektiv und in der Zeit. Erst diese Besonderheiten erlauben es den deutschen Lebensversicherern attraktive und sichere Produkte anzubieten, die weder von Banken noch von Fondsgesellschaften reproduzierbar sind.

Im Herbst 2010 hat bereits die fünfte quantitative Auswirkungsstudie – QIS 5 – zur Vorbereitung von Solvency II stattgefunden. Grundlage von Solvency II ist eine marktkonsistente Bewertung zu einem festen Stichtag. Die kürzlich veröffentlichte Auswertung der Studie zeigt, dass die Ergebnisse der Bewertung der eingegangenen Versicherungsverpflichtungen erheblichen Schwankungen unterliegen können. Nicht nur einzelne Unternehmen, sondern auch ganze Märkte, die zu einem bestimmten Stichtag die Solvabilitätsanforderungen deutlich erfüllen, können abhängig von der Entwicklung an den Kapitalmärkten wenig später bereits als insolvent unter diesem System eingestuft werden.

Ursächlich für diese hohe Volatilität ist dabei die risikofreie Zinsstrukturkurve, die die Grundlage für die Bewertung von Leistungszusagen unter Solvency II bildet. Gerade bei der Bewertung langfristiger Zusagen haben die im Modell verwendeten Zinsen eine extreme Hebelwirkung. Bereits kleine Anpassungen der Zinssätze führen dazu, dass sich die Eigenkapitalanforderungen deutlich verändern.

Bei der Festlegung der Zinsstrukturkurve besteht die Tendenz, die zurzeit beobachteten, niedrigen Zinsen für die nächsten 80 bis 100 Jahre fortzuschreiben. Unter QIS 5 wird dies dadurch gelöst, dass ab dem Jahr 30 ein fließender Übergang zu einem Langfristzins von 4,2 % im Jahr 90 stattfindet.

Die DAV tritt daher dafür ein, den Übergang zum langfristigen Zins schon früher, zum Beispiel im Jahr 15, einzuleiten und das langfristige Niveau bereits im Jahr 30 zu erreichen. Hierüber würde dem marktkonsistenten Bewertungsansatz von Solvency II deutlicher entsprochen, da für Anleihen mit einer Laufzeit von über 30 Jahren in EURO nur ein sehr geringfügiger Markt existiert. Mit diesen Änderungen in der Methodik könnte eine deutliche Stabilisierung der Ergebnisse erreicht werden.

In den kommenden Monaten sind noch zahlreiche Modellierungsfragen unter Solvency II zu klären. Die DAV unterstützt grundsätzlich den ökonomischen Ansatz von Solvency II und ist zuversichtlich, dass eine handhabbare Lösung – gerade für die Zinsstrukturkurve – gefunden werden kann.


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